"Ehrlich, berührend und preisnominiert", unter diesem Titel erschien ein Interview und eine Blog-Besprechung von "Alzheimer und wir" bei den Blogspionen.
Autor: peggyelf
Liebe Mama, freust du dich wieder auf die Tagespflege?
Monatelang herrschte bei meinen Eltern Ausnahmezustand. Aufgrund der Corona-Pandemie schloss Mamas Tagespflege. Eine Notbetreuung gab es nicht, und ich glaube auch, dass sie sie nicht in Anspruch genommen hätte. Papa hat sich in den vergangenen Wochen rund um die Uhr um Mama gekümmert. Das hat er aus vollem Herzen gerne getan, war aber auch ein Kraftakt. Nun öffnet die Tagespflege und Mama darf wieder gehen. Nicht nur meinem Papa, auch mir ist etwas mulmig dabei. Wird Mama sich wieder eingewöhnen? Wird es schwierig? Oder freut sie sich vielleicht darauf?
Happy Birthday, Alzheimer und wir!
Kaum zu glauben, aber mein Blog-Baby feiert Geburtstag! Heute vor einem Jahr habe ich den ersten Artikel auf "Alzheimer und wir" veröffentlicht. Und wie passend zum Geburtstag ging es auch um das Schenken. In diesem Jahr ist wahnsinnig viel passiert, nicht nur in meinem Leben, vor allem mit meinem Blog. Ich lade euch ein auf eine kleine Rückschau und habe neue Informationen zur Preisverleihung des Grimme Online Awards. Wer noch nicht abgestimmt hat, der sollte sich sputen. Die Teilnahme am Publikumsvoting ist nur noch heute möglich. Die Preise werden am 25.6. vergeben - und ihr könnt beim Stream live dabei sein. Den Link findet ihr unten
Wie sprechen wir über Menschen mit Demenz?
Im Vorfeld des Grimme Online Awards habe ich ein paar Interviews gegeben. Es ging um meinen Blog "Alzheimer und wir", warum ich ihn schreibe und was ich mir wünsche. Und ich merkte, dass ich fast nur noch „Menschen mit Demenz" sage statt "Betroffene" oder "Patienten" oder "Demente", wie ich es früher auch getan habe. Warum? Weil ich glaube, dass es einen Unterschied macht, wie wir über Demenz und Alzheimer sprechen und welche Begriffe wir dafür wählen, auch wenn diejenigen, über die wir da sprechen, das vielleicht gar nicht mehr mitbekommen. Ich habe mich mal bei anderen umgehört – und bin gespannt, wie ihr das seht
Kinderfragen bei Alzheimer: Warum spricht die Oma nicht?
Meine Kinder wissen schon lange, dass ihre Oma Alzheimer hat. Wenn wir meine Eltern besuchen, erleben sie hautnah, was es bedeutet, mit Demenz zu leben und welche Einschränkungen die Krankheit mit sich bringt. Manches verwundert sie, manches nicht. Ich bin jedes Mal froh, wenn sie fragen, denn das heißt, dass sie ihre Gedanken nicht mit sich alleine ausmachen oder sich gar die Schuld geben, sondern dass ich ihnen Erklärungen bieten kann und wir uns austauschen. Unabhängig voneinander wollten meine Sieben- und meine Elfjährige vor kurzem wissen, warum die Oma nicht spricht. Ja, das habe ich mich auch schon oft gefragt – und auch, wenn ich weiß, dass es ein Teil der Krankheit ist, hoffe ich doch immer noch, dass sich das ändern kann. Wie ich das meinen Töchtern erklärt habe und es mir geholfen hat, nicht nur das Negative, sondern auch die schönen Momente zu sehen – und sie zu nutzen
Alzheimer und Corona: Ohne echte Nähe geht es nicht. Aber auch nur mit Vorsichtsmaßnahmen
Die Zahl der Neuinfektionen mit dem neuen Coronavirus gehen zurück. Dazu kommen immer mehr Lockerungen: Viele Kinder gehen wieder in die Schule und den Kindergarten, Friseure und Geschäfte sind offen, Restaurants und Cafés ebenfalls. Was heißt das? Schon lange grübele ich über die Frage, wann ich wieder zu meinen Eltern fahren und Mama sehen kann. Wann kann ich meinem Papa helfen, der in den vergangenen Wochen die Pflege und Betreuung von Mama alleine gemeistert hat? Theoretisch möglich ist es ja, aber ist es auch gut? Oder gefährde ich meine Eltern damit? Das Virus ist ja immer noch da und eine Ansteckung möglich. Und ich weiß, dass meine Mama zu der Risikogruppe gehört. Aber ganz ehrlich: Kontakthalten mit und einem Menschen mit fortgeschrittener Demenz aus der Ferne nahe sein zu können, das ist eine Illusion. Ich weiß, dass Mama Nähe braucht, und zwar echte Nähe. Und mein Papa auch. Wie all die anderen pflegenden Angehörigen trägt er die Last alleine – und das funktioniert nicht auf Dauer. Über unseren zaghaften Weg und warum es so wichtig ist, sich an bestimmte Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen zu halten.
Lieber Papa, weißt du, dass du dich großartig um Mama kümmerst? Und dass du trotzdem Hilfe brauchst?
An dieser Stelle schreibe ich immer Briefe an meine Alzheimer-kranke Mama. Es sind meine Fragen und Gedanken, die ich ich so gerne mit ihr teilen möchte. Heute schreibe ich einen Brief an meinen Papa. Ein mini-bisschen, weil bald Vatertag ist. Meinem Papa war dieser Tag immer ziemlich egal – und doch ist er eine wunderbare Gelegenheit Danke zu sagen. Denn ohne meinen Papa würde es meiner Mama nicht so gut gehen. Das ist der Hauptgrund für meinen Brief. Mein Papa leistet jeden Tag Großartiges, so wie Millionen pflegender Angehöriger. Aber ich sehe auch, dass er tagtäglich mehr leistet, als er auf Dauer geben kann. Ich spreche oft mit ihm darüber und dränge ihn, mehr Hilfe anzunehmen. Denn ich habe Angst um ihn und mache mir Sorgen.
