Meer_Muscheln_Italien
"Liebe Mama..."

Liebe Mama, würdest du gerne mal wieder ans Meer fahren?

Endlich mal wieder Urlaub! Es waren schöne Tage für mich und meine Familie in Italien. Und doch war auch das schlechte Gewissen dabei. Hätte ich nicht eher zu meinen Eltern fahren müssen, um meinen Papa zu unterstützen? Oder hätte ich meine Eltern mitnehmen sollen? Vielleicht wäre Mama auch gerne mal wieder am Meer gewesen. Ein Hin und Her der Gefühle ist in mir, aber ich weiß auch, wenn ich ehrlich bin, dass ich diese Reise, so wie sie war, gebraucht habe – und alles andere nicht geschafft hätte.

"Liebe Mama..."

Liebe Mama, wo wohnen deine Erinnerungen?

Ein Lied von Alexa Feser, das ich eigentlich sehr mag, hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Über Menschen mit Alzheimer wird ja oft gesagt, dass die Erinnerungen verschwinden. Aber das stimmt nicht. Die Erinnerungen sind da. Darüber schreibe ich in diesem Brief an meine Mama. Und ich frage, wo sie wohnen und was ich tun kann, um die schönen Erinnerungen zu stärken.

Wort Demenz
"Liebe Mama..."

Liebe Mama, wie geht es dir mit dem Wort Demenz?

Ich habe vor ein paar Tagen an einem Workshop teilgenommen. Es ging um "dieses grausige Wort", um das Wort Demenz. Journalisten, Menschen aus dem Demenz-Bereich und Menschen, die mit dieser Diagnose leben, haben sich darüber ausgetauscht, warum es nicht egal ist, wie wir über Demenz sprechen. Zu gerne würde ich von dir wissen, wie es dir mit dem Wort Demenz ging und geht – und natürlich auch mit dem Wort Alzheimer. Ich erinnere mich nicht daran, dass du das Wort "Demenz" ausgesprochen hast. War es Angst oder Scham? Wie hat es sich für dich angefühlt? Hattest du auch die negativen Klischees im Kopf? Was kann ich für mein Schreiben und Sprechen daraus lernen?

Mama_Brief_tapfer
"Liebe Mama..."

Liebe Mama, du bist tapfer!

Vor ein paar Tagen hatte ich ein Gespräch mit meinem Papa, über das ich immer noch nachdenke. Er erzählte viel über die Herausforderungen und Anstrengungen – und doch endete er mit einem positiven, ja Mut machenden Satz, an den ich seither immer denken muss. Er sagte über Mama: "Sie ist tapfer". Liebe Mama, das bist du wirklich! Dieser Perspektivwechsel weg vom hilflosen Menschen hin zu einer starken Person, der tut nicht nur mir und dir gut, sondern kann für uns alle eine Bereicherung sein. Denn Menschen mit Demenz sind eben nun mal viel mehr als die Demenz.

"Liebe Mama..."

Liebe Mama, hat Corona nun ein Ende? Und was hat es mit uns gemacht?

Nun gibt lang ersehnte Lockerungen und Impfungen für immer mehr Menschen. Meine Eltern sind geimpft, auch ich habe schon die erste Impfung hinter mir. Man könnte meinen, dass dieser Corona-Spuk bald ein Ende hat. Ja, hoffentlich. Meine Gefühle entsprechen einer Mischung aus Müdigkeit, Frust und Hoffnung. Ich möchte daran glauben, dass nun alles besser wird. Liebe Mama, was hat Corona für dich geändert? Mit mir hat es sehr viel gemacht. Ich wünsche mir, dass einiges bleibt und vieles sich ändert.

Mama_Peggy_Hand in Hand
"Liebe Mama..."

Liebe Mama, ich wünschte, wir hätten über das Thema Pflegeheim gesprochen.

Diesen Brief an meine Mama schreibe ich nicht, weil ich möchte, dass sie in ein Pflegeheim zieht. Ich schreibe ihn, weil es das letzte ist, was ich will – und mich doch endlich damit auseinandersetzen möchte. Ich bereue es, dass wir über manche Themen - auch über das Thema Pflegeheim - nicht gesprochen haben. Mittlerweile ist es dafür zu spät. Ich habe Angst, dass ich oder wir eines Tages vor einer Entscheidung stehen und im Sinne meiner Mama handeln möchten und dann gar nicht genau wissen, was dieser wäre. Ich wünschte, wir hätten über das Thema Pflegeheim gesprochen. Eine späte Einsicht, ich weiß, aber noch nicht zu spät, finde ich.

EinJahrCoronaMama
"Liebe Mama..."

Liebe Mama, wie war dieses Corona-Jahr für dich?

Ein Jahr Corona: allerorten erscheinen Analysen und Berichte über dieses besondere Jahr. Für mich war dieses Corona-Jahr ein Jahr voller Krisen und Herausforderungen, aber auch ein Jahr, in dem ich viel gelernt habe und innerlich gewachsen bin. Ich würde zu gerne wissen, welches Fazit meine Mama ziehen würde über das Corona-Jahr und bin traurig, dass sie mir das nicht erzählen kann. Ich weiß, dass dieses Jahr auch für meine Mama mit Höhen und Tiefen verbunden war, sie hat gelacht und geweint. Aber ganz ehrlich: Ich habe keine Ahnung, ob ihre Bilanz eher positiv oder negativ ausfallen würde. Dieser Brief ist der Versuch, eine Antwort zu finden und steckt doch voller Fragen. Aber das ist gut, denn nur durchs Fragen und Hinschauen kann ich letztlich erkennen, wie es ihr geht. Vielleicht sollten wir alle mehr fragen und uns füreinander interessieren.

Mama_du kannst so viel
"Liebe Mama..."

Liebe Mama, du kannst noch so viel – ich sehe es nur oft nicht

Die Alzheimer-Erkrankung meiner Mama schreitet fort. Wenn Freundinnen oder Bekannte mich fragen, wie es ihr geht, verfalle ich oft in ein tiefes Seufzen und erzähle davon, dass sie in ihrer kleinen Welt lebt und nichts mehr alleine machen kann. Doch als ich neulich viel Zeit mit ihr verbracht habe, habe ich gemerkt, dass das gar nicht stimmt. Denn sie kann noch so viel. Ich sehe es nur oft nicht. Wie kann ich das ändern? Ein Brief an meine Mama, in dem es auch um Teilhabe und Partizipation von Menschen mit Demenz geht und wie wir als Gesellschaft so ticken