Rückblick

Mein Jahresrückblick 2021: Mit Zuversicht große Schritte wagen

In diesem Jahr bin ich viele neue Schritte gegangen – beruflich und privat – und habe den Fokus ganz neu gesetzt. Meine Mama und ihre Alzheimererkrankung standen dabei oft im Fokus und mein großer Wunsch, für mehr Aufklärung und Sichtbarkeit zu sorgen. In meinem Jahresrückblick 2021 nehme ich euch mit auf diese Reise: Sie handelt von Selbstständigkeit und Herausforderungen, besonderen Begegnungen und vielen Mutmachern. Auch wenn ich so manches Mal gezögert habe, hat die Zuversicht gesiegt und im Rückblick staune ich über mich und mein Vertrauen in mich und das Leben.

Peggy_Mama lächeln in die Kamera

Was habe ich mir 2021 vorgenommen und wie ist es gelaufen?

Im Jahresrückblick 2020 hatte ich mir einige Dinge für dieses Jahr vorgenommen. Das waren meine Ziele – und das wurde daraus:

  • mein Buch schreiben: ☑️ Jaaa, ich habe es getan. Mein Buch „Mamas Alzheimer und wir“ ist im August erschienen. Im September hatte ich erste Lesungen und hoffe, dass es im nächsten Jahr weitergeht.
  • mit meinen Kindern ans Meer fahren: ☑️ Na, klar! Wir waren in Venedig und haben am Lido schöne Stunden verbracht. Gerne wieder!
  • eine Woche lang wandern: 🤷🏼‍♀️ Nun ja, das setze ich auf die 2022-To-Do-Liste.
  • Zeit mit Mama zu verbringen und ihr viele Glücksmomente schenken: ☑️ Ich habe mit meiner Mama viele schöne Stunden verbracht, meist ganz unspektakulär. Wir sind eine Runde durchs Dorf spaziert, ich habe neben ihr gesessen und einfach Nähe geschenkt und genossen.
  • regelmäßige Live-Talks auf Instagram: ☑️ Ich habe einige Insta-Live-Talks gemacht. Es waren spannende Gespräche, zum Beispiel mit der Demenzberaterin Eva Helms, mit Antje Holst vom Demenzkompetenzzentrum Schleswig-Holstein, Cornelius Weiss oder Kati Imbeck.
  • den Podcast weiterbringen: ☑️ Ich bin dankbar für den tollen Podcast „Leben, Lieben, Pflegen – Der Podcast zu Demenz und Familie“, den ich mit Anja Kälin und Isabel Hartmann von Desideria Care machen darf. Mittlerweile haben wir Förderer für die einzelnen Folgen, was großartig ist.

Mein Jahresrückblick 2021

2021 war das zweite Jahre dieser Corona-Pandemie und Corona hat vieles dominiert. Aber natürlich war da noch viel mehr als „nur“ Corona. Aber lest und schaut selbst, wie mein 2021 verlaufen ist:

Was tun gegen schlechte Gedanken – Vom Schneewunder und Rodelauszeiten

Der Januar 2021 ging ja weiter mit dem Lockdown, der immer wieder verlängert wurde. Ganz schön anstrengend, vor allem emotional. Da war die Sorge, wann meine Mama endlich geimpft wird (wurde sie zum Glück bald). Und da war die Sorge, wann die Kinder wieder unbeschwert in die Schule gehen können (das hingegen hat leider viel länger gedauert und hat auch nur geklappt, weil die Kinder sich gut an das Maskentragen und regelmäßige Testen gewöhnt haben).

Etwas, das mir und meinen Töchtern durch die Zeit geholfen hat, war der Schnee. Normalerweise mag ich es lieber warm und kann dem Schnee nicht viel abgewinnen, aber zu wissen, dass wir am Nachmittag im Hirschgarten oder Schlosspark eine Runde rodeln gehen können. Und was vertreibt schlechte Gedanken und Gefühle besser als frische Luft und Bewegung?

Das Schneewunder hilft durch den Lockdown
Auf geht’s zum Schlittenfahren

Wichtige Veränderungen angehen – Ein Umbau für mehr Barrierefreiheit

Lange haben meine Eltern die Entscheidung über einen Umbau in ihrem Haus vor sich hergeschoben. „Lohnt sich das wirklich?“ war die Frage, die mein Papa immer wieder gestellt hat. Meine Eltern hatten ihr Schlafzimmer und das Badezimmer – wie in so vielen typischen Einfamilienhäusern – im 1. Stock. Das ging lange Zeit irgendwie, doch dann wurde Ende 2019 offensichtlich, dass es eine andere Lösung für das Treppenproblem geben muss. Aber welche? So kam es, dass ich mich viel mit dem Thema „Demenzfreundlich wohnen“ beschäftigt habe und versucht habe, Lösungen zu finden.

Bald war klar, dass ein Umbau notwendig wäre, wenn meine Eltern in ihrem Haus wohnen bleiben wollen. Das wollte mein Papa – und Anfang diesen Jahres, noch mitten im Lockdown, ging es dann los. Schließlich ist es vielen Helfern und meinem Bruder und Onkel zu verdanken, dass der Umbau so gut und schnell geklappt hat. Als sie fertig waren und Mamas ehemaliges Arbeitszimmer erfolgreich zu einem neuen Badezimmer umgebaut war, habe ich gedacht: Großartig! Und: Wir hätten das schon viel früher machen sollen, es hätte Mama viel Stress auf den Treppen erspart.

Schritt Nummer eins: Aus dem Arbeitszimmer wird vorübergehend ein Esszimmer. Wir streichen
Schritt 2: Der Raum wird mit Fliesen ausgekleidet
Schritt 3: Eine Toilette mit Haltegriff, Waschbecken und offene Dusche – Wie gut, dass der Umbau so gut geklappt hat

Durch den Lockdown kommen – Mit Demenz-Gesprächen

Der Corona-Lockdown hat sich für mich gefühlt ewig gezogen. Die Unsicherheit, die Sorgen, die Kontaktbeschränkungen – das hat mich ganz schön runtergezogen. Anfang des Jahres startete die App Clubhouse und legte einen Raketenstart hin. Ich bin ja viel auf Social Media aktiv, auch, weil ich den Austausch mit anderen Angehörigen und Experten dort mag. Clubhouse hatte etwas ganz Besonderes und für mich war es eine perfekte App, um durch den Lockdown zu kommen. Dadurch, dass man sich nur aufs Zuhören konzentriert, entsteht eine unmittelbare Nähe – und es war ein bisschen, so als ob man wirklich andere treffen würde.

Mit Clubhouse-Talks durch den Lockdown Anfang 2021

Als Daniel Wagner mich gefragt hat, ob ich mit ihm die DemenzMeet-Gespräche auf Clubhouse moderieren mag, habe ich gerne zugesagt: Immer dienstags um 20 Uhr hat sich eine lockere Runde an Angehörigen und Profis getroffen, um über unterschiedliche Themen rund um Demenz zu sprechen. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Beni und Rolf, die viel von sich erzählt haben und mir so auch geholfen haben, manche Herausforderungen mit Demenz anders zu bewerten. Die beiden sind wahre Mutmacher und ich freue mich darauf, ihr Buch zu lesen, das gerade erschienen ist.

Einen große Schritt wagen – Ab in die Selbstständigkeit

Ich habe sehr lange fest angestellt als Redakteurin und stellvertretende Chefredakteurin bei einer Familienzeitschrift gearbeitet und es hat mir große Freude bereitet. Doch je mehr ich mich auch mit meinem Herzensthema Demenz beschäftigt und darüber gebloggt habe, umso größer wurde der Wunsch, mehr in dieser Richtung zu arbeiten. Ich wollte mich gerne um diese Themen kümmern und frei arbeiten. Und so habe ich entschieden, zu kündigen und mich als freie Journalistin selbstständig zu machen. Zugegeben, es ist mir nicht ganz leicht gefallen, denn ich die Selbstständigkeit bringt Unsicherheiten und ich musste mich von Kollegen verabschieden, die mir in all der Zeit ans Herz gewachsen sind.

Zeit für neue, eigene Wege

Die Selbstständigkeit hat dazu geführt, dass ich in mich gegangen bin und mich hinterfragt habe: Was kann ich? Was ist mir wichtig? Was möchte ich arbeiten? Ich glaube, das war das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich mich diesen Fragen gestellt habe. Vielleicht war es sogar das erste Mal überhaupt… Mir ist dabei klar geworden, dass ich mehr als Autorin tätig sein möchte, dass ich mein Buch schreiben möchte und dass ich flexibel für meine Eltern und Kinder da sein möchte.

Bei vielem, was ich tue, habe ich auch durch die Alzheimererkrankung meiner Mama im Hinterkopf, dass ich mein Leben nutzen sollte. Ich habe nur dieses eine und ich möchte es mit dem füllen, was mir Freude bereitet und wichtig ist. Als ich gekündigt habe, hatte ich den Wunsch nach Veränderung und die Zuversicht, dass ich einen Weg finden werden, ganz nach dem Zitat von Kafka: „Wege entstehen dadurch, dass wir sie gehen.

Und es sind Wege entstanden. Ich habe an spannenden Projekten mitgearbeitet, etwa die eine Online-Diskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Thema Demenz moderiert, Webinare und Vorträge zum Thema „Demenz“ und „Kinder und Demenz“ gehalten oder war bei der Fernsehsendung „Leben, Waschen, Schneiden“ dabei.

Auch den Podcast „Leben, Lieben, Pflegen“ habe ich mit Anja und Isabel weiterentwickelt. Wir haben viele spannende Themen besprochen und hatten tolle Interviewgäste, wie Barbara, die von ihren Erfahrungen mit der Demenz-WG ihrer Mutter erzählt hat oder Sofia, die ihren Paps pflegt und mit uns das Thema Young Carers beleuchtet hat. Außerdem gibt es nun eine ganze Reihe praktischer Worksheets zu vielen Folgen (Ihr findet sie auf der Podcast-Website).

Ein gutes Team: Anja, Isabel und ich mit unserem Gast Sofia

Aktiv und politisch werden – „Pics of Care“ und die Verhinderungspflege

Mein Blog ist nicht politischer Natur. Eigentlich. Und doch hat sich das in diesem Jahr ein wenig geändert – und zwar mit dem Instagram-Projekt „Pics of Care“. Zusammen mit Stephanie Poggemöller von Work & Family habe ich das Projekt ins Leben gerufen, um auf die Situation von pflegenden Angehörigen aufmerksam zu machen. Bislang gehen die Forderungen der Pflegenden häufig unter – und das obwohl sie der Pflegemotor Nr. 1 sind. Steffi und ich lassen auf unserem Instagram-Account pflegende Angehörige zu Wort kommen.

Mit unserem Projekt wollten wir auf ein Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums und eine Petition dagegen aufmerksam machen. Laut dem Papier sollte die stundenweise Inanspruchnahme der Verhinderungspflege auf maximal 40 Prozent des Jahresbetrags begrenzt werden. Für viele Familien hätte dies eine Kürzung des Budgets bedeutet. Die Petition haben 58134 Menschen unterschrieben – umgesetzt wurde das Papier nicht.

„Mamas Alzheimer und wir“ – Von der Idee über die Zettelwirtschaft zum fertigen Buch (und zur ersten Lesung)

Aus meinem Blog ein Buch machen? Als ich das erste Mal diesen Gedanken hatte, habe ich zwischen Euphorie und Skepsis geschwankt. Ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie dieses Buch sein sollte und zwar eine Mischung aus Briefen an meine Mama, Erfahrungsberichten und Ratgeber-Elementen. Aber würde das auch gelingen? Würde sich jemand dafür interessieren, was ich ich schreibe? Ich habe mich sehr gefreut, dass sich der Mabuse Verlag dafür interessiert hat und ich dort mein Buch verwirklichen konnte.

Dieses Buch zu schreiben war für mich extrem wichtig und hat mir Halt gegeben – und doch bin ich immer wieder an Punkte gekommen, wo ich nicht mehr weiter machen konnte. In meinem Buch „Mamas Alzheimer und wir“ schreibe ich die Geschichte der Alzheimererkrankung meiner Mama von Anfang an auf. Ich habe dazu viel mit Notizen aus meinen Tagebüchern gearbeitet. Ich schreibe offen und ehrlich und beim Schreiben habe ich mehr als einmal gemerkt, dass ich in bestimmten Situationen nicht ideal gehandelt habe.

Wie schön, mein Buch in den Händen zu halten

Ich hatte doch so viel in Ratgebern über Alzheimer gelesen und doch fiel es mir in manchen Momenten schwer, mich an diese Ratschläge zu halten. Manchmal war Ich genervt oder ungeduldig. Im Rückblick sehe ich, dass ich oft nicht so auf meine Mama eingegangen bin, wie sie es gebraucht hätte – Ja, ich habe diese Fehler gemacht und schreibe in meinem Buch darüber. Ich finde es wichtig, damit offen umzugehen. Denn eine Alzheimererkrankung ist eine Herausforderung, auch für die Angehörigen, und es ist vollkommen okay, Fehler zu machen. Wichtig ist, diese zu sehen und reflektieren, sodass man es beim nächsten Mal vielleicht besser machen kann.

Im September und Oktober habe ich erste Lesungen gehalten. Es war für mich berührend und der Austausch danach mit dem Publikum extrem schön. Schade, dass der Corona-Herbst und Winter dann erstmal Einschränkungen und Absagen mit sich gebracht hat. Ich hoffe sehr, dass 2022 wieder Lesungen und Begegnunen möglich sind.

Was wirklich zählt – Viele gute Momente mit Mama und eine große Feier

Im Sommer ist meine Mama 65 Jahre alt geworden. Mein Papa hat schon im Januar mit der Planung zu Mamas Feier begonnen. Mitten im Lockdown fragte er zum ersten Mal „Und wie feiern wir Mamas Geburtstag?“ Zeitweise war nicht mal klar, ob wir überhaupt würden feiern können. Und ich war mir auch nicht sicher, ob so ein Fest für Mama nicht zu anstrengend wäre. Aber dann wiederum: Warum sollten wir ihren 65. Geburtstag nicht mit einer Feier begehen und sie hochleben lassen? Zum Glück war eine Feier im Familienkreis möglich, und so haben wir in der Moritzburg in Zeitz ein schönes Fest für Mama gestaltet, ganz nach ihren Bedürfnissen.

Mamas Geburtstagstorte

Meine Mama ist echt eine tolle und starke Frau, die schon so viel gemeistert hat – Das habe ich währenddessen immer wieder gedacht. Und sie ist immer noch tapfer und stark, denke ich, wenn ich beobachte, wie fröhlich und friedlich sie oft ist. Sie lässt sich von der Herausforderung Demenz nicht unterkriegen! Ich habe die Besuche bei meiner Mama genossen und versucht, ihr kleine Glücksmomente zu schenken. Wir haben Spaziergänge gemacht und wir haben auf der Terasse gesessen und Kuchen gegessen.

Mama und ich – jede gemeinsame Minute ist kostbar

Ich habe gemerkt, wie liebevoll und zugewandt meine Töchter mit der Oma umgehen. Sie nehmen sie an der Hand und streicheln sie. Sie bringen ihr die Hausschuhe und ziehen sie an. Ganz selbstverständlich bringen sie ihr ein Eis mit, wenn sie sich eines holen, weil sie wissen, wie gerne meine Mama Eis ist. Sie haben für ihre Oma die Stufenkanten der Außentreppe mit Kreide angemalt, damit sie die Stufen besser erkennt und die Treppe leichter gehen kann. Eine Idee, auf die ich vielleicht nie gekommen wäre… Meine Töchter sind für mich auch ein Vorbild für den Umgang mit Demenz. Das bestätigt meine These, dass Kinder davon lernen, wenn wir offen mit dem Tabu-Thema Pflege umgehen.

Wie inspirierend und motivierend – Das DemenzMeet in Zürich und Pläne

Im Sommer war ich in Zürich und durfte beim DemenzMeet von meinen Erfahrungen berichten. Ich hatte mich so sehr auf dieses Wochenenende gefreut, weil ich wusste, dass ich dort viele Menschen treffen würde, die ich über meinen Blog oder Social Media kennengelernt hatte. Und es wurde ein wahnsinnig schöner Tag, über den ich bereits in einem Blogartikel geschrieben habe. Ich habe inspirierende Gespräche geführt und viele Menschen getroffen. Es waren tatsächlich leichte Stunden zu einem schweren Themen, so wie es das Motto des Demenz Meets ist. Hier zeige ich euch ein paar Eindrücke:

Willkommen beim DemenzMeet: mit Rolf, Beni und Sofia
Diskussionsrunde: Demenz digital mit Martin Mühlegg, Sofia, Daniel Wagner und mir
Bunt-fröhliches Pausenprogramm
Helferhund Baila war auch dabei

Vor allem aber hat mir das Demenz Meet in Zürich gezeigt, wie wertvoll so ein lockerer Austausch unter Angehörigen sein kann. Deswegen freue ich mich wahnsinnig auf 2022, denn ich unterstütze Desideria Care dabei, das Demenz Meet in München zu organisieren. Es wird am 14.5. Mai stattfinden und wir stecken mitten in der Planung. Bald gibt es mehr Infos dazu. Allen, die sich dafür interessieren, kann ich nur sagen: Save the date! Denn ich bin fest davon überzeugt, dass das Demenz Meet München toll wird!

Wie aufregend und schön – Tage am Meer mit meinen Töchtern

Eine meiner Wünsche für 2021 war es, mit meinen Kindern ans Meer zu fahren. Ich mag es, am Ufer zu sitzen und in die Ferne zu schauen und zu beobachten, wie die Wellen aufbrausen und dann in sich zusammensinken. Den Duft von Salzwasser genieße ich. Ich gehe gerne am Strand entlang und suche Muscheln. Am Meer zu sein ist für mich wie Meditieren. Ich schaue auf die Wellen und nehme nichts wahr, vielleicht nicht mal die Wellen, weil ich so in meiner Welt sein kann.

Das Rauschen der Wellen zu beobachten ist wie meditieren für mich

Ich war mir nicht ganz sicher, ob diese Reise gut klappen würde. Alleine mit drei Kindern in eine fremde Stadt ans Meer – ist das eine gute Idee? Ja, das war es. Wir haben wunderschöne Tage in Venedig verbracht. Ich hatte ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil ich mich für diesen Urlaub entschieden hatte. Müsste ich meine freie Zeit nicht bei meinen Eltern verbringen? Oder meine Eltern mit ans Meer nehmen? Aber es war auch klar, dass ich das nicht schaffe. Dass ich Urlaub brauche und möchte.

Peggy steht am Meer Lido Venedig
Am Lido von Venedig

Meine Mama war also nicht dabei. In Gedanken aber, da war sie mit uns dort. Als ich mit meinen Töchtern am Strand Muscheln gesammelt habe, habe ich mich erinnert, wie ich stundenlang mit meiner Mama Muscheln gesammelt habe. Als meine Töchter in die Wellen gesprungen sind, habe ich daran gedacht, wie Mama oft gerufen hat: „Das ist schön“, wenn sie im See oder Meer im kalten Wasser gebadet hat. Und so habe ich meine, da warst du mit bei uns, bist in die Wellen gesprungen, hast gerufen „Wie schön“ und danach Muscheln gesammelt.

Wieder hoffen – Ganz schön Coronamüde

Ich weiß noch, dass ich im Dezember 2020 dachte, Corona würde bald vorbei sein, spätestens wenn endlich alle geimpft wären. Ich erinnere mich gut an meine erste Impfung im Mai. Was war ich dankbar. Ich war voller Erleichterung, auch weil ich dachte, dass diese Pandemie bald vorbei wäre. Meine Eltern waren geimpft, ich war geimpft, die Kinder regelmäßig getestet – es hat sich angefühlt wie eine neu gewonnene Freiheit.

Im Sommer: Happy nach der ersten Impfung

Nun bin ich zum dritten Mal geimpft, meine Eltern auch, meine große Tochter hat ebenfalls Impfschutz. Aber die Pandemie läuft weiter. Ich bin müde von all den Regeln und Einschränkungen. Anfangs habe ich so etwas wie Aufbruch und Zusammenhalt gespürt, das ist schon längst verschwunden.

Alles läuft auf Abstand – Ich wünsche mir mehr Nähe

Ich vermisse es, Freundinnen unbeschwert treffen zu können oder überhaupt jemanden zu treffen. Mir fehlen die informellen Zusammenkünfte und der Smalltalk mit anderen. Ich möchte mal wieder zu meinen Eltern fahren, ohne Angst zu haben, ihnen Corona von unterwegs mitzubringen. Denn egal, wie vorsichtig und umsichtig ich bin, da ist ja immer das Restrisiko sich anzustecken. Da ist die Sorge um meine Kinder, die immer wieder Einschränkungen und viele Absagen erleben und doch so tapfer mit Mundschutz, Testen und Impfen sind.

Waldspaziergang
Ich möchte gerne zu meinen Eltern fahren können, ohne Angst zu haben, ihne Corona mitzubringen

Wie gerne möchte ich mit Zuversicht in die Zukunft schauen können, doch dieses Schreckgespenst Corona steht dem immer im Weg. Egal, wie viel Kraft ich aufwende, ich kann es nicht zur Seite schieben. Und so ist ehrlich gesagt dieser Dezember ein wenig getrübt. Ich bin unruhig und sorge mich, um meine Familie und auch um mich.

Für 2022 wünsche ich mir mehr positive Gedanken. Ich möchte mehr lachen und mein Herz soll wieder froh sein. Ich wünsche mir für 2022, dass ich Lösungen finde für all die Dinge, die mich belasten. Und das wünsche ich euch auch!

Ich wünsche mir mehr Lachen, mehr Freude, mehr positive Gedanken

Meine 5 liebsten eigenen Blogartikel von 2021

  • Liebe Peggy… Ein Brief an mein 10 Jahre jüngeres Ich – Normalerweise schreibe ich Briefe an meine Mama, aber diesen habe ich an mich geschrieben. Es geht um die Dinge, die ich der Peggy von vor zehn Jahren gerne mit auf den Weg geben würde. Vor allem würde ich ihr sagen: Liebe Peggy, hab nicht so viel Angst. Du kannst dir vertrauen!
  • Liebe Mama, du bist tapfer! – Menschen mit Demenz sind nun mal viel mehr als die Demenz, wir sehen es nur oft nicht. Dieser Brief an meine Mama lädt zu einem Perspektivwechsel ein, weg von einem Menschen mit Demenz als hilflos und hin zu einer starken Person, die eine Bereicherung ist.
  • Die Herausforderung Treppe – Meine Kinder haben die Stufenkanten der Treppe farbig angemalt – und so mit einer vermeintlichen Kleinigkeit dazu beigetragen, dass Mama die Treppen besser gehen kann.
  • Liebe Mama, danke, dass du mir hilfst genau hinzusehen! – Wenn ich mit meiner Mama zusammen bin, merke ich, dass sie nicht nur diejenige ist, die Hilfe braucht, sondern auch eine Lehrmeisterin. Sie hat hilft mir immer wieder, genauer hinzusehen. Dies ist der erste Text der Blogparade #demenzmoment
  • Meine Kinder und der Alzheimer: zwischen Vorbild und Schützling – Ich gehe mit meinen Kindern offen mit Mamas Demenz um. Oft kann ich mir von meinen Töchtern etwas abschauen im Umgang mit meiner Mama. Vielleicht sollten wir alle ein wenig mehr auf die Kinder schauen, denn sie haben uns im Erwachsenen im Umgang mit der Demenz so einiges voraus

Was wartet 2022 auf mich?

Ich gehe in dieses neue Jahr mit gemischten Gefühlen. Über allem steht die Frage, wie lange uns Corona begleiten wird und wie wir einen guten Weg aus dieser Pandemie finden. Doch dieses Thema macht mich beinahe ohnmächtig. Wenn ich mich zu sehr damit beschäftige, lande ich schnell in einem Sorgental, aus dem ich nicht mehr herauskomme. Ich brauche einen Wechsel der Blickrichtung und vor allem mehr Zuversicht. Mir hilft es, für das neue Jahr Ziele und Wünsche zu definieren. Was ich 2022 angehen möchte:

  • mich an mein nächstes Buchprojekt setzen. Die Frage „Und was, wenn es nicht gut wird?“ lähmt mich häufig. Diese Buchidee schwirrt schon lange in meinem Kopf herum und sie muss hinaus in die Welt. 2022 möchte ich sie umsetzen.
  • mehr Klarheit für mich und meinen Weg finden. In diesem Jahr habe ich vieles versucht, alleien hinzubekommen – und es mir vielleicht unnötig schwer gemacht. Im nächsten Jahr werde ich mir Unterstützung suchen und vor allem mehr auf mich und meine Bedürfnisse achten.
  • am 14.5. findet das DemenzMeet in München statt. Ich freue mich, Desideria Care bei der Organisation dieses Tages zu unterstützen. Ich bin gespannt auf all die Menschen, die auf der Bühne stehen werden und jeder auf seine Weise dazu beiträgt, das Thema Demenz in die Öffentlichkeit zu tragen.
  • mich beruflich weiter vorwärts bringen und darauf zu fokussieren, was ich gut kann und dies zu stärken. Das gehört zur Selbstständigkeit, ist aber definitiv noch etwas, das ich lernen muss.
  • mit meinen Eltern darüber Klarheit finden, welche Lösung sie sich wünschen, wenn Mama oder beide mehr Hilfe und Unterstützung benötigen. Mich treibt das seit Monaten um und ich mache mir Sorgen, weil ich keinen Plan habe und doch merke, dass ich aus der Ferne vieles nicht leisten kann.
  • ich habe großes Fernweh nach Afrika und wünsche mir für dieses 2022, dass ich mit meinen Kindern eine große Reise machen kann.
  • endlich wieder vor echtem Publikum aus meinem Buch „Mamas Alzheimer und wir“ vorlesen. Die Lesungen und vor allem auch die Gespräche im Anschluss haben mir gezeigt, wie gut es ist, sich zu öffnen und auszutauschen.

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