Corona, Kinderfragen

Kinderfragen: Wird die Oma jetzt gegen Corona geimpft?

Meine Töchter machen sich große Sorgen wegen des Coronavirus. Sie sorgen sich weniger um sich, viel mehr um ihre Großeltern – und ganz besonders um ihre Oma mit Alzheimer. Denn meine Mama hat aufgrund ihrer Erkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19. Und nun gibt es in Deutschland endlich eine Impfung gegen Corona. Gestern wurden die ersten Menschen hierzulande geimpft. „Wird die Oma jetzt gegen Corona geimpft?“, fragte meine Tochter zuversichtlich.

alles wird gut
Alles wird gut: Die ersten Menschen werden gegen Corona geimpft. Die Oma auch?

Vor ein paar Monaten habe ich noch nicht für möglich gehalten, was nun passiert: Die ersten Impfungen gegen das Coronavirus haben begonnen. In den Nachrichten wurde in den vergangenen Tagen über nichts anderes gesprochen und meine Töchter wollten wissen, ob jetzt auch die Oma geimpft wird.

Sorgen, dass die Oma an Corona erkrankt

In den Meldungen und Berichten ist häufig davon die Rede, dass pflegebedürftige und schutzbedürftige Menschen als Erstes geimpft werden. Als erste Person in Deutschland erhielt eine 101-Jährige in einem Pflegeheim in Halberstadt die Impfung. „Wird die Oma jetzt auch geimpft?“, fragte mich meine mittlere Tochter erwartungsvoll.

Denn in den vergangenen Monaten haben sich meine Töchter auch viel um ihre Großeltern gesorgt und besonders um meine Mama. „Ich habe Angst, dass die Oma an Corona stirbt“, hat mir meine Große eines Abends gesagt. Und ich habe sie getröstet und gesagt, wie vorsichtig wir alle sind und uns an die Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen halten, damit wir sie nicht anstecken. Dass wir in der Familie das tun, dass dies aber auch das Team der Tagespflege tut – und dass ich es gut finde, dass sie mithelfen, indem sie ihren Mund-Nasen-Schutz tragen und sich an die Regeln halten. Damals vor einigen Wochen habe ich noch gesagt, dass es vielleicht mal eine Impfung gegen Covid-19 geben wird.

Wie gut, zu hören, dass es diese Impfung jetzt gibt. Aber leider musste ich meine Tochter enttäuschen und sagen: „Nein, die Oma wird nicht sofort geimpft.“

Wer zuerst geimpft wird

Und dann habe ich meiner Tochter von der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) erzählt. Weil es nicht nicht sofort genug Impfdosen für alle Menschen in Deutschland gibt, haben Politiker eine Reihenfolge festgelegt, welche Menschen wann geimpft werden. Zunächst sollen Personen geimpft werden, „die ein besonders hohes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe einer COVID-19-Erkrankung haben“, so schreibt die STIKO.

Folgende Personen gehören zu der Personengruppe 1, der mit der höchsten Priorität:

  • Bewohner in Senioren- und Pflegheimen
  • Personen über 80 Jahre,
  • Personal in medizinischen Einrichtungen (die mit Covid-19-Patienten Kontakt haben)
  • Pflegepersonal in der stationären und ambulanten Altenpflege

Menschen mit Demenz erst in Kategorie 2

„Und die Oma lebt nicht in einem Heim, deshalb gehört sie nicht zu dieser ersten Gruppe“, habe ich ihr gesagt.
„Hm“, antwortete mein Kind. Ich glaube, sie fühlte sich ähnlich wie ich. Natürlich macht eine Priorisierung total Sinn, aber dennoch finde ich es ein wenig unfair.
„Und wenn die Oma in einem Heim leben würde, dann würde sie geimpft werden?“, fragte meine Tochter skeptisch.
„Ja, dann würde sie als Erstes mitgeimpft werden“, sagte ich.

Menschen mit Demenz gehören erst in Kategorie zwei, so schreibt das Bundesgesundheitsministerium. Auf den ersten Blick wirkt diese Unterscheidung vielleicht merkwürdig, aber sie hat ihre Gründe. Ich erklärte meiner Tochter, dass in einem Heim viele schutzbedürftige Menschen auf relativ engem Raum leben. Ein Virus wie das Coronavirus kann sich dort natürlich viel schneller ausbreiten und mehr Menschen können sich gegenseitig anstecken, als es etwa zu Hause ist.

„Die Oma wird bestimmt bald geimpft“, sagte ich meiner Tochter. Denn fest steht: Menschen mit Demenz haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf und deshalb gilt für sie eine hohe Priorität. Während meine Tochter noch überlegte, ob es nicht besser wäre, wenn die Oma in einem Heim wäre, sagte ich: „Ich bin sehr froh, dass sie zu Hause und nicht in einem Heim lebt. Sonst könnten wir sie jetzt vielleicht nicht sehen. Denn in vielen Heimen gelten aufgrund von Corona strenge Regeln, ob und wann man seine Angehörigen sehen kann.“ Und: Zu Hause kommt Mama natürlich mit viel weniger Menschen in Kontakt, als wenn sie in einem Pflegeheim wäre. Es ist also viel unwahrscheinlicher, dass sie sich ansteckt.

Und der Opa? Wann wird er gegen Corona geimpft?

„Und der Opa?“, fragte meine Tochter. Damit sprach sie meine Sorge an. Denn ich mache mir nicht nur um meine Mama Sorgen, sondern auch um meinen Papa. Er leistet jeden Tag Enormes und kümmert sich liebevoll um Mama und besonders jetzt, wo die Tagespflege wieder geschlossen ist. Aber andererseits kümmert er sich um den Haushalt, Einkäufe und Besorgungen. Würde er an Corona erkranken, wäre das doppelt schlimm: für ihn und für Mama. Denn er wäre an Corona erkrankt und Mama müsste eine Zeitlang auf ihre Vertrauensperson verzichten. Und ich dachte an die Kritik der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, dass pflegende Angehörige nicht als entsprechende Personengruppe benannt werden, die frühzeitig geimpft werden. Pflegepersonal aus Altenheimen gehört zur Gruppe 1, aber pflegende Angehörige werden nicht explizit erwähnt.

Das große Glück meiner Mama und für uns: dass Papa in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden ist (auch wenn er das nicht gerne hört). Somit gehört er zur ersten Gruppe, die geimpft wird. „Der Opa wird als bald mitgeimpft, er gehört zur ersten Gruppe“, sagte ich meiner Tochter. Das fand sie zwar auch ein wenig merkwürdig, denn der Opa ist ja gesund und die Oma krank. Aber es beruhigte sie.

Und dennoch bleibt ihr großer Wunsch für das neue Jahr: dass Corona bald vorbei ist. Und das hoffe ich auch.

3 Gedanken zu „Kinderfragen: Wird die Oma jetzt gegen Corona geimpft?“

  1. Mehr als 12 Prozent der Menschen in Deutschland sind über 80 Jahre alt. Rechnet man zu diesen knapp 11 Millionen Personen noch die Heimbewohner:innen unter 80 Jahre, die ambulanten und stationären Pflegekräfte und die medizinischen Kontaktpersonen dazu, ahnt man, vor welcher Mammutaufgabe das Gesundheitswesen steht.
    Doch es sind persönliche Geschichten wie diese, die uns berühren und die klar machen, dass pflegende Angehörige eine noch bessere Lobby brauchen.

    1. Wahrlich eine Mammutaufgabe! Ich habe großen Respekt vor der Logistik, die dahintersteht. Mir ist klar, dass eine Prioritätenliste notwendig ist und dass Heime sehr wichtig sind, aber pflegende Angehörige gehen leider zu oft unter

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