"Liebe Mama..."

Liebe Mama, wir gehen nun neue Wege – es ist richtig, aber schwer.

Vor einigen Wochen haben wir eine Entscheidung getroffen, die wir lange vor uns hergeschoben haben. Und dann ging es doch recht schnell. Mama ist in ein Heim gezogen und wir gehen nun neue Wege. Sie im Heim, wir zu Hause und ins Heim. Mama geht es dort sehr gut, daran zweifle ich nicht. Aber diese neuen Wege, die sind schwer. Für uns alle, besonders für Papa.

füße auf dem Boden

Liebe Mama, wir gehen nun neue Wege.

Der vergangene Monat hat mir gezeigt, dass das Leben doch oft einen eigene Dynamik besitzt. Lange habe ich darüber nachgedacht, wann der Zeitpunkt wäre, ab dem es zu Hause nicht mehr klappt. Wir haben immer mal wieder über Veränderungen und einen Umzug ins Pflegeheim gesprochen, aber Papa war fest der Meinung: „Es geht schon noch.“ Und es ging ja auch. Noch. Aber das Gefühl, dass es eigentlich schon zu viel ist, das hat mich doch immer häufiger beschlichen.

Ich habe mir Sorgen gemacht – um dich und um Papa. Aber er wollte so sehr, dass alles bleibt, wie es ist und ja, es ging ja auch noch. Hilfe annehmen fällt schwer, das habe ich an Papa immer wieder beobachtet, egal ob das nun die Tagespflege, die Haushaltshilfe oder der Pflegedienst war. Ich habe mich oft gefragt, ob er es merken würde, wenn es nicht mehr geht – und darauf gehofft. Es hat mich mitunter ziemlich hilflos gemacht. Wir haben Unterstützung angeboten, immer wieder, doch er wollte sie nicht annehmen.

Nun gehen wir die neuen Wege. Auch Papa hat gemerkt, dass es zu Hause nicht mehr so klappt. Vor ein paar Wochen bist du ins Pflegeheim gezogen. Die ersten Tage waren voll mit praktischen Dingen, die erledigt werden mussten, und mit Erledigungen. Ich habe gepackt, dir versucht das Zimmer ein wenig heimelig einzurichten, mit Bildern aus deiner Kindheit, mit deinem gewebten Bild und den Medaillen. Die Wege waren neu, aber die ersten Male hatte ich keine Zeit, sie wirklich zu gehen. Das kommt nun so langsam.

Erst jetzt, ein paar Wochen später, scheint es, dass ich diese neuen Wege bewusst gehe. Es fing kurz vor Weihnachten an. Ich kam mit den Kindern am Abend bei euch an und war so froh zu Hause zu sein. Meine Kleinste ging durch das Haus und sagte: „Schläft die Oma schon?“ Ich sagte: „Die Oma wohnt jetzt woanders.“ Meine Kleine antwortete nur: „Ach ja, stimmt. Hab ich vergessen.“

Für sie war es weiter kein Thema, aber mich hat das mit einem Mal traurig gemacht. Denn ich war zu Hause, aber dieses Zuhause war nun anders. Das Zuhause, das ich kannte – das Haus mit dir und Papa – ist so nicht mehr. Ich habe das Gefühl, dass ich hier neue Wege gehe. Ich vermisse dich daheim. Du bist nicht da, aber irgendwie doch überall. Das ist schön und traurig zugleich.

Ich weiß, dass es eine gute Entscheidung war. Du bekommst dort die Pflege, die du benötigst. Du bist in guten Händen. Und doch ist es schwer. Für Papa noch viel mehr als für mich. Er verbringt täglich mehrere Stunden bei dir. „Ich kann sie doch nicht alleine lassen“, sagt er. Ich habe schon oft erklärt, dass du doch nicht alleine bist und du gut versorgt und betreut wirst.

Vielleicht ist es weniger die Sorge um dich, die ihn hält, sondern der neue Weg, der nun vor ihm liegt. In den vergangenen Jahren seid ihr zu einer Einheit geworden und Papas Welt hat sich um dich gedreht. Und nun hat sich das geändert. Wir müssen wieder Abschied nehmen. Wir nehmen schon seit Jahren immer wieder Abschied, aber das ist ein besonderer.

Liebe Mama, wir gehen nun neue Wege. Sie sind richtig und doch schwer. Für dich auch? Was tut dir gut? Mir helfen meine Kinder und ihre Neugierde auf das Heim. Mir hilft es zu sehen, dass es dir gut geht. Auch der Blick aus dem Fenster. Ich merke, dass diese neuen Wege auch Chancen bieten. So lange hatte ich Angst vor dem Thema Pflegeheim und nun, wenn ich bei dir bin, fühlt sich das gar nicht schlimm an.

Ja, dieser neue Weg ist schwer, aber es ist gut, dass wir ihn nicht alleine gehen müssen. Und wie so oft macht mir ein Gedanke Mut: Dass es schwer ist, zeigt ja nur, wie sehr wir dich lieb haben!

Deine Peggy


Liebe Leser und Leserinnen, ich wünsch euch in diesem Jahr gute neue Wege und wenn sie schwer werden, dass ihr sie nicht alleine gehen müsst. Alles Liebe von mir für 2024!
Eure Peggy

5 Gedanken zu „Liebe Mama, wir gehen nun neue Wege – es ist richtig, aber schwer.“

  1. Liebe Peggy, vielen lieben Dank, dass du deine Gedanken mit uns teilst!
    Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe und viel Kraft für die nächste Zeit!

  2. Liebe Peggy, vielen Dank! Ich wünsche auch dir alles Liebe und schöne Momente mit deinen Liebsten 2024!
    Herzliche Grüße!
    Annett

Kommentar verfassen