"Liebe Mama..."

Liebe Mama, ich denke an dich!

Heute hätte Mama Geburtstag – und seit Wochen blicke ich mit mulmigem Gefühl auf den heutigen Tag. Mama ist irgendwie immer da und doch fehlt sie. Solche Tage laden zum Vergleichen ein – das macht es schwer. Ach, Mama, ich kann ihn kaum schönreden, diesen heutigen Tag. Ich bin dankbar für dich und für all das, was du mir mitgegeben hast.

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Heute vor drei Jahren: Mama und ich

Liebe Mama, ich denke an dich!

Heute ist der 1. Juli und es ist einer der Tage, die sich in meiner Kindheit fest in meinem Gedächtnis verankert haben. Es ist dein Geburtstag. Egal, wo ich war, ich habe ihn nie vergessen – und in den allermeisten Fällen haben wir diesen Tag gemeinsam gefeiert, mit einem Fest im Garten, viel Kuchen und vielen Gästen.

Auch in den vergangenen Jahren war dein Geburtstag immer ein Tag zum Feiern, auch wenn du schon eine ganze Weile nicht mehr wusstest, dass du am 1. Juli Geburtstag hast. Ich erinnere mich an deinen 60. Geburtstag – vor acht Jahren – als wir ein großes Fest für dich gaben. Am späten Vormittag machte ich mit dir und meiner jüngsten Tochter – damalas ein Baby – einen Spaziergang um den Dorfteich (Ich wollte ein wenig Ruhe vor der großen Feier am Mittag und von dem ganzen Trubel um diesen runden Geburtstag). Wir waren nur ein paar Minuten unterwegs, aber während dieser hattest du deinen Geburtstag scheinbar schon vergessen.

Als wir auf dem Weg zum Haus einbogen, wundertest du dich über die Autos, die in der Einfahrt standen. Du fragtest mich ein wenig verwirrt: „Warum sind denn so viele Leute da?“ Immer wieder habe ich in den Jahren mit deiner Alzheimererkrankung Momente erlebt, die mich überrumpelt und sprachlos gemacht haben, in denen sich die Krankheit gezeigt hat. Das war einer dieser Momente. Ich konnte nicht fassen, dass du deinen Geburtstag mit all den Urmamungen, Glückwünschen und Geschenken vergessen haben konntest und beinahe fehlten mir die Worte.

Ich denke gerne zurück

Es wurde ein schönes Fest, wie all die Jahre danach auch. Und ich bin froh, dass wir dich jedes Jahr weitergefeiert haben. Vor einem Jahr haben wir „Happy Birthday“ für dich gesungen und dir Lavendel geschenkt. Es war ein schöner Tag, wenn auch die Trauer mitschwang. Denn ein Feiern so wie früher – mit deinem lautstarken Trommeln und langen Gesprächen am Lagerfeuer – war das auch nicht mehr.

Geburtstage feiern mit Demenz, das hat immer etwas Zweischneidiges, finde ich. Einerseits ist da frohes Zusammensein, andererseits zeigen sich dann auch die Veränderungen, manchmal noch massiver, weil sofort der Vergleich zu dem Jahr – oder den Jahren – vorher gemacht wird. Der heutige Tag verlangt einen besonders schweren Vergleich.

Ich habe mir vorgenommen, nicht traurig zu werden, nicht zu viel an dich zu denken. Aber das geht wohl kaum und vielleicht ist das auch einfach gut so. Denn du bist immer da – manchmal macht es mich traurig, manchmal froh.

Wir denken an dich – und vermissen dich

Wo auch immer du gerade bist, wir denken an dich und vermissen dich sehr. Ich denke mit ein paar Tränen in den Augen an vergangenes Jahr, als wir im Garten feierten. Und an deinen Geburtstag vor zwei Jahren, als wir abends am Feuer machten und ich so gern die Zeit angehalten hätte. Ich erinnere mich an deinen Geburtstag vor drei Jahren. Damals zauberten die Kinder für dich Seifenblasen und dir ein Lächeln auf deinem Gesicht. Und an deinen Geburtstag vor acht Jahren, als wir um den Dorfteich spazierten und Papa und du auf der Feier so fröhlich tanzten.

Liebe Mama, ich denke an dich. Heute ganz besonders. Und ich danke dir, dass du mich auch zu dem gemacht, was ich bin und mir Mut und mein Lächeln (und noch viel mehr) gegeben hast.

Deine Peggy

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