Besser kommunizieren, Wie ich helfen kann

Gemeinsam pflegen – Gut und herausfordernd

In der neuen Podcastfolge von „Leben, Lieben, Pflegen“ haben Anja und ich darüber gesprochen, wie es gelingen kann, sich als Familie um einen Angehörigen mit Demenz zu kümmern. Gemeinsam zu pflegen – das ist gut, weil nicht einer mit all den Aufgaben alleine gelassen wird. Gleichzeitig kann es auch herausfordernd sein, denn Rollen und Aufgaben ändern sich und verschiedene Meinungen treffen aufeinander. Wie findet man da einen Weg?

Cover Podcast Folge 24

Gemeinsam als Team

Sich um einen Menschen mit Demenz zu kümmern, ihn zu begleiten und pflegen – das ist eine Aufgabe, die ein Angehöriger kaum alleine leisten kann. Es ist immer wieder vom Netzwerk die Rede, das Menschen mit Demenz benötigen und ich habe auch schon häufiger davon geschrieben. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • wir können die Aufgaben untereinander aufteilen
  • bei schwierigen Entscheidungen können wir uns besprechen
  • und müssen die Verantwortung nicht alleine tragen

Deshalb bin ich froh, dass mein Bruder und ich in den vergangenen Jahren immer sehr gut als Team gearbeitet haben und meinen Papa in der Pflege von Mama unterstützt haben.

Von Anfang an waren wir uns einig, dass wir für Mama da sein möchten und dass wir Papa helfen wollen. Ich glaube, wir haben das in den vergangenen Jahren ganz gut hinbekommen und tun es immer noch, weil wir ähnliche Werte haben, weil wir uns im Ziel – das Beste für Mama zu wollen – einig sind, weil wir uns gut austauschen können und weil wir einander vertrauen.

Die Aufgaben werden immer mehr

Aber ich merke auch, dass es immer herausfordernder wird. Denn meine Mama braucht immer mehr Unterstützung und Pflege, und Papa kann all das nicht mehr so leicht schultern. Gleichzeitig fällt ihm das Abgeben und Loslassen so wahnsinnig schwer. „Ich schaffe das schon noch“, ist eines der Lieblingssprüche meines Papas und das Argument, warum es beispielsweise keinen Fahrdienst braucht oder zusätzliche Unterstützung durch den Pflegedienst. Und da merke ich, dass wir durchaus unterschiedliche Vorstellungen haben.

Einerseits ist es rührend anzusehen, wie Papa sich um Mama kümmert und wie liebevoll er mit ihr umgeht. Doch andererseits macht es mich und uns auch oft rat-los. Denn die Last durch das tägliche Kümmern und Pflegen, die hinterlässt doch deutliche Spuren an meinem Papa. Eigentlich kein Wunder, denn es ist schon lange viel mehr als ein Vollzeitjob, für Mama da zu sein.

Wie gemeinsam pflegen?

Wie können wir denn helfen, was können wir denn tun, um gemeinsam zu pflegen? Diese Frage haben wir schon so oft gestellt. Und wir stellen sie immer wieder, denn es gibt nicht eine einfache Antwort darauf. Die Herausforderung ist ja auch, dass sowohl mein Bruder als auch ich nicht jeden Tag da sind. Wie können wir gemeinsam pflegen? Darum geht es in der aktuellen Folge von „Leben, Lieben, Pflegen – Der Podcast zu Demenz und Familie“, in der Coach Anja Kälin von Desideria Care und ich darüber sprechen, wie Familien einen guten Weg finden.

Anja erklärt in der Podcastfolge: „Das kann man sich vorstellen wie bei einem Mobile. Wenn sich ein Teil darin verändert, dann verändert sich nicht nur dieses eine Teil, sondern auch alle anderen Teile in diesem System. Die etablierten Rollen, die etablierten Regeln, die Traditionen, die in einer Familie da sind, brauchen eine Anpassung und eine Überarbeitung.“ Und das brauchen sie immer wieder, denn eine Demenz geht ja mit stetigen Veränderungen einher.

In Folge 24 von "Leben, Lieben, Pflegen – Der Podcast zu Demenz und Familie" geht es darum, wie es gelingen kann, gemeinsam zu pflegen. Wenn eine Person in der Familie die Diagnose Demenz erhält, betrifft das auch die anderen Familienmitglieder. Rollen verändern sich, Aufgaben kommen hinzu oder müssen abgegeben werden – wie gelingt diese Veränderung und Anpassung? Darüber sprechen Familiencoach Anja und Bloggerin Peggy. Sie berichten von ihren Erfahrungen und gehen der Frage nach, wie man als Familie mögliche Herausforderungen überwinden kann. Gut, wenn man sich als Familie einig ist, mitunter herrschen aber auch unterschiedliche Vorstellungen, zum Beispiel ob der Angehörige in ein Pflegeheim ziehen sollte oder nicht. Wie gelingt es, sich dann auszutauschen und eine Lösung zu finden?

Reden, reden, reden – auch wenn’s schwer ist

Ich wollte von Anja wissen, wie das gelingen kann. „Das geht am besten, indem man sich darüber unterhält“, sagt sie. Reden, reden, reden – über die Veränderungen, über die Erwartungen, über die eigenen Grenzen – und sich auch nicht scheuen, neue Wege und kreative Lösungen zu überlegen.

Wenn ich das hier schreibe, klingt es einfach, aber das ist es nicht. Denn man muss sich immer wieder öffnen und Kompromisse finden und auch zurückstecken – und das verlangt viel. Mir zum Beispiel fällt es immer schwer einzugestehen, dass ich keine Lösung weiß oder dass ich unsicher bin. Aber, auch das zeigt die Erfahrung, dadurch ergeben sich manchmal neue Wege.

Gemeinsam pflegen – das bedeutet nicht, dass alles gemeinsam gemacht wird, sondern, dass man sich als Netzwerk für den Menschen mit Demenz begreift. Wer ist der Dirigent? Oder die Dirigentin? Nicht immer ist das klar. Im Laufe einer Demenzerkrankung ändert sich das häufig, genau wie die Bedürfnisse. Wir sprechen immer wieder und nicht immer fällt das leicht. Aber bleibt uns denn eine andere Wahl, als das Gespräch zu suchen?

Gemeinsam pflegen – das betrifft nicht nur die Familie und manchmal klappt es auch in der Familie nicht. Eine Hilfe kann eine Selbsthilfegruppe sein (zum Beispiel bei einer der Alzheimer Gesellschaften), Freund:innen oder Nachbarn. Reden hilft, sich über Aufgaben, Herausforderungen und Veränderungen klarer zu werden. Im Podcast sprechen Anja und ich auch darüber, wie man einen Weg findet, wenn es schwerfällt, miteinander ins Gespräch zu kommen. Hört gerne hier hinein: Folge 24 von „Leben, Lieben, Pflegen – Der Podcast zu Demenz und Familie“.

2 Gedanken zu „Gemeinsam pflegen – Gut und herausfordernd“

  1. Gemeinsam pflegen ist vergleichbar mit gemeinsam musizieren. Beides gelingt viel besser und runder, wenn ein Dirigent den Takt und den Einsatz anzeigt.

    Ein Altenmediziner ist der Dirigent beim gemeinsam pflegen. Er kennt vor allem die medizinischen und pflegerischen Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person, er zeigt „unbarmherzig“ die Grenze zwischen Wunsch und Realität auf und er erklärt und berücksichtigt als „Unparteiischer“ die vorhandenen Möglichkeiten (aller Protagonisten).

    1. Vielen Dank für dieses passende Bild und den guten Vergleich! Das Netzwerk ist das eine, aber das muss natürlich auch ineinander spielen und gut ist’s, wenn einen Dirigenten gibt. Auch da hilft: reden, reden, reden.

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