Praktische Tipps

Anleitung: Eine Fühlschnur zum Nesteln

Meine Mama ist nicht mehr so viel in Bewegung, ihre Finger sind aber oft sehr aktiv: Sie fühlt und nestelt gerne damit. Das Nesteln ist für Menschen mit Demenz oft eine Strategie, um sich selber zu erspüren und die innere Unruhe zu befrieden. Es gibt viele Produkte, die man kaufen kann. Man kann sie auch selber machen. Eine Nestelschnur zum Beispiel ist ganz einfach hergestellt. Ich habe für meine Mama eine Fühlschnur zum Nesteln gemacht. Hier ist die Anleitung.

Was steckt hinter dem Nesteln?

Meine Mama ist mit ihren Händen oft in Bewegung. Anfangs habe ich gedacht, es sei nur ein Angewohnheit und mitunter war ich ein wenig genervt davon. Manchmal hat es mich auch einfach ratlos gemacht: Fehlt Mama etwas? Ist ihr langweilig? Oder tut ihr vielleicht sogar etwas weh? Und auch meine Kinder fragen: Warum spielt die Oma immer mit ihren Händen?

Durch mein Gespräch mit Steffi Helsper und ihrem Buch „Glücksmomente für Menschen mit Demenz“ (Rheinhardt Verlag) habe ich besser verstanden, was hinter einem Verhalten wie Nesteln stecken kann. „Wir Menschen sind den ganzen Tag mit unseren Händen in Bewegung, Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz hingegen sind selten aktiv und liegen oder sitzen viel. Das Bedürfnis, die Hände einzusetzen, aber bleibt. Es kann ein Zeichen dafür sein, dass sie auf der Suche nach Spürreizen sind und sich über dieses Nesteln selbst spüren wollen“, erklärt Steffi Helsper, Ergotherapeutin mit Demenz-Schwerpunkt.

Sie rät dazu, diese Bewegungen nicht zu verbieten oder darüber zu diskutieren. Besser sei es, diese Bewegungen in positive und Freude stiftende Tätigkeiten umzuwandeln, etwa das Schälen von Äpfeln, Schleifen von Holzstückchen oder auch das Beschäftigen mit einer Fühlschnur.

Was ist eine Fühlschnur?

Es gibt diverse Produkte, die man zum Nesteln kaufen kann, etwa Fühldecken oder -Kissen. Sie bieten verschiedene Sinnesreize und laden zum Entdecken und Spüren ein. Meine Mama hat bereits eine tolle Fühldecke und einen Hund mit viel Fühlmöglichkeiten. Beide sind super, aber ich wollte mal ein wenig Abwechslung bringen und ihr etwas Neues bieten und habe eine Fühlschnur gebastelt.

Es gibt nicht „die perfekte“ oder „die richtige“ Fühlschnur zum Nesteln, sondern was gut ankommt, ist individuell verschieden. Dabei hängt es auch von den Vorlieben und Interessen des Menschen mit Demenz ab. Gut ist also, wenn man Gegenstände nimmt, die in der Lebensbiografie eine Rolle spielen.

Ich habe Nähutensilien verwendet, weil meine Mama immer sehr viel genäht und gestrickt hat. Wer immer viel mit Holz gearbeitet hat, der beschäftigt sich vielleicht leiber mit Holz-Utensilien. Wer immer Hunde gehabt hat, für den wäre eine Fühlschnur mit Hundemarke und anderen Hundeutensilien möglicherweise passender. Man darf aber natürlich auch einfach ausprobieren.

Material für die Fühlschnur

Das habe ich verwendet: Wolle, große Perlen mit unterschiedlicher Struktur, große Knöpfe (einen aus Metall, einen aus Plastik), kleine Garnrollen (von der Nähmaschine), Garn, Geschenkband. Und als Hilfsmittel: eine extra-große Stopfnadel.

Große Perlen, geriffelte Perlen, Knöpfe aus Metall und aus Plastik, verschiedene Fäden – der Mix bringt Abwechslung.

Schön sind verschiedene Formen und Materialien, da man so diverse Sinnesreize bieten kann.

Anleitung – In 7 Schritten zur Fühlschnur

Schritt 1: Drei gleich lange Wollfäden zurechtschneiden, mindestens 25 Zentimeter (Länge je nach Bedarf). Die drei Fäden an einem Ende gut zusammenknoten.

Schritt 2: Die drei Fäden zu einem Zopf flechten,
ein paar Zentimeter lang.

Perle auf einer Fühlschnur
Schritt 3: Eine Perle auf einen Wollfaden fädeln, eventuell mit Hilfe einer großen Nadel. Dann wie gewohnt mit allen drei Fäden weiterflechten.

Schritt 4: Wenn du ein Stück geflochten hast, kann der nächste Gegenestand eingeflochten werden, zum Beispiel ein Knopf. Danach wieder mit allen drei Strängen weiterflechten.

Schritt 5: Auf diese Art und Weise kann man verschiedene Utensilien einflechten oder die Gegenstände auffädeln. Die kleine Nähmaschinengarnrolle habe ich einfach über die geflochtene Wolle aufgefädelt. Nach etwa fünf Zentimeter wieder einen großen Knopf auffädeln. Die kleine Garnrolle lässt sich zwischen den Knöpfen hin- und herschieben, kann sich aber nicht lösen.

Schritt 6: Weiterflechten und wer mag kann noch ein Geschenkband (oder eine andere Wolle) einflechten. Ich habe das Geschenkband über einen Wollfaden gelegt und einfach weitergeflochten. So gibt es noch mal einen Materialwechsel und das Band fühlt sich anders an.

Schritt 7: Zum Abschuss alles gut verknoten und fertig ist die Fühlschnur.

Wichtig: Kleine Gegenstände immer gut befestigen. Darauf achten, dass alles fest verknotet ist und sich nicht lösen kann, auch nicht, wenn viel daran gezupft und gezogen wird.

Links für weitere Anleitungen – Nesteldecke, Nestelring, Nestelmuff

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