"Liebe Mama..."

Liebe Mama, danke für die Überraschung!

In den vergangenen Tagen habe ich viel Zeit mit meiner Mama und meiner Familie verbracht. Ich hatte es mir sehr gewünscht – und dann wurde es doch irgendwie anstrengend und eigentlich hatte ich viel zu wenig Zeit für meine Mama. Sie wirkte oft traurig und abwesend. Am Ende hat sie mich überrascht, mit einem besonderen Moment, den ich immer in meinem Herzen tragen werde. Liebe Mama, danke für die Überraschung!

Peggy

Liebe Mama, hat dir Weihnachten gefallen?

Nun ist Weihnachten vorbei und auch das neue Jahr hat schon Einzug gehalten. Wir haben viele Stunden miteinander verbracht. Ich habe mir im Dezember so wahnsinnig viele Gedanken über Weihnachten gemacht und auch die Frage, was ich dir schenken könnte, hat mich sehr beschäftigt. Ich habe dir eine schöne Handcreme geschenkt für eine Handmassage. Doch irgendwie war es ziemlich trubelig und ich hatte keine Ruhe dafür.

Liebe Mama, hat dir dieses Weihnachten gefallen? Deine Kinder und Enkelkinder waren da, deine ganze Familie hat mit dir gefeiert – wir haben die Besuche verteilt, sodass du immer wieder Zeit zum Ausruhen hattest. Denn ich habe das Gefühl, dass du gerade sehr viel Ruhe möchtest. Nach dem Frühstück hast du oft ein wenig geschlafen und auch nachmittags hast du ausgedehnte Nickerchen gemacht.

Viel Nähe und Liebe für dich von meinen Kindern

Meine Töchter haben im Schnee gespielt und in eurem Garten den tollsten Schneemann gebaut. Wenn sie bei uns im Wohnzimmer waren, waren sie eigentlich immer bei dir. Ich habe es sehr genossen zu sehen, wie liebevoll meine Kinder sich um dich kümmern. Ich habe ja schon oft geschrieben und gesagt, dass sie für mich häufig Vorbilder sind, weil sie so gut auf dich schauen und sich an deinen Bedürfnissen orientieren, ganz ohne Vorbehalte. Sie haben nicht diese Erwartungen und Vorstellungen, sondern sind einfach im Moment präsent für dich – und ich glaube, dass dir das sehr gut tut!

Ganze Arbeit – so einen schönen Schneemann haben die Kinder gebaut

Das alles wieder einmal zu beobachten, war besonders schön. Mit welcher Fürsorge meine große Tochter dich an der Hand nimmt und dir zuspricht, damit du aufstehst und sie dich dann zum Essen an den Tisch führt. Und meine Mittlere, die neben dir sitzt und genau darauf achtet, dass Papa dich aufessen lässt und dir auch immer wieder etwas zu trinken gibt. Mein Papa, der sich von wenigen Menschen Dinge sagen lässt, hört mit einem Mal, wenn seine Enkeltochter erklärt: „Die Oma ist doch schon satt, Opa.“ oder „Ich glaube, ihr schmeckt das nicht mehr.“

So viel zu erledigen – Wo bleiben die schönen Momente?

Ich habe gekocht und mich gekümmert, mit Papa Dinge organisiert. Es gab Einiges zu tun – und das ist das Nervige an Pflege aus der Ferne, dass man manche Dinge aus der Ferne einfach nicht erledigen kann. Ich hatte mich auf die Nähe mit dir gefreut und als wir dann da waren, standen andere Dinge im Vordergrund. Du wirktest häufig ein wenig traurig und abwesend. Ich glaube, das ist die größte Gefahr, dass ich vor lauter Organisieren und Erledigen vergesse, mir Zeit für dich und unser Miteinander zu nehmen. Oder dass ich so genervt von der Pflegebürokratie und all den pflegerischen Tätigkeiten bin, dass ich wenig Muße für die schönen Momente spüre.

Zum Glück waren wir lange genug bei euch, dass doch genug Zeit für diese gemeinsamen Momente war. Ich habe dir das Märchen von „Frau Holles Apfelgarten“ vorgelesen. Schon lange habe ich dir nicht mehr vorgelesen und anfangs war ich nicht sicher, ob es dir überhaupt gefällt. „Mache ich es gut genug?“, wollte ich schon anfangen zu grübeln und fast innehalten, vor Unsicherheit. Und dann habe ich einfach weitergelesen und mir gedacht, dass es nicht so falsch sein kann, wenn ich merke, wie du dich entspannst, wenn ich neben dir sitze und dir von Frau Holle und dem Junker und der Bäuerin vorlese.

Vorlesen aus „Frau Holles Apfelgarten“

Danke für das Silvesterkonzert!

Als alle einen Silvesterspaziergang gemacht haben, sind meine Kleinste und ich bei dir geblieben. Wir haben zusammen das Silvesterkonzert aus der Semperoper angeschaut. Für mich war es erst so etwas wie eine Notlösung, weil es der Kleinen nicht so gut ging und ich nicht genau wusste, was ich mit euch beiden machen soll. Und dann wurde es richtig schön. Du bist aus deinem müden Zustand aufgewacht und hast fröhlich mit den Beinen gewippt.

Ich saß neben dir und habe gemerkt, dass die Musik dich bewegt – und sie war auch wirklich schön. Wärest du nicht gewesen, hätte ich das sicher nicht angeschaut und damit ein tolles Konzert verpasst. Danke, liebe Mama, für diesen Glücksmoment!

Liebe Mama, danke für die Überraschung!

Als wir dann am nächsten Tag fahren wollten, war ich sehr beschäftigt mit der ganzen Packerei. Du saßt auf der Couch, wirktest sehr müde und hattest immer wieder deine Augen geschlossen. Bevor ich zum Auto gegangen bin, bin ich noch mal ins Haus, um mich von dir zu verabschieden.

Ich habe deine Wange gestreichelt und bin ganz nah an dich gegangen. „Ich komme bald wieder, Mama!“ habe ich gesagt. Dann hast du dich zu mir aufgerichtet und mir einen Kuss auf die Stirn gegeben.

Ich kann mich nicht erinnern, wann du das zum letzten Mal gemacht hast. Es ist sicher einige Jahre her. Dieser Mutter-Tochter-Kuss war eine wunderschöne Überraschung. Ich danke dir von Herzen! Ich werde mir diesen Moment tief in mir aufheben.

Deine Peggy

2 Gedanken zu „Liebe Mama, danke für die Überraschung!“

  1. …und wieder einmal habe ich das Gefühl wir sind Schwestern im Geiste ;-). Wie schon so oft beim lesen Ihrer Artikel. Ich, das strukturierte Organisationstalent, die nichts dem Zufall überlässt, damit es auch immer annähernd perfekt wird muss lernen : ( Vorsatz für 2022 ! ) Es muss nicht immer alles super sein, alles ordentlich, die Termine im Pflegeheim immer genau durchgeplant ( …heute gehen wir erst raus, weil es noch hell ist und trinken erst danach Kaffee. Dann muss ich nochmal den Kleiderschrank ordnen und schauen, ob die Klamotten alle noch okay sind, ach ja…und um Maniküre und Pediküre muss ich mich auch noch kümmern ) Halt ! Stop ! Diese Jahr will und muss ich spontaner werden. Bevor ich Löcher in den Socken suche, singe ich lieber ein Lied….oder lese eine Kurzgeschichte vor…whatever.
    Ich merke, wie gut meiner Mutter Berührung und Umarmungen tun. Wie gut es ihr tut, wenn ich schallend mit ihr lache und wir gar nicht wissen worüber. Auch wenn wir dann schief angeschaut werden….dann lachen wir eben noch mehr….
    Und so habe wir auch mit meiner Mutter DIESEN schönen Moment an Weihnachten erleben dürfen, in dem sie meinem Vater einen Luftkuss geschenkt hat….einfach so und völlig unvorbereitet.
    Warum dabei ihr Mann und ihre Tochter geweint haben, mussten wir ihr dann aber doch erklären…
    Mit unserem MAGIC MOMENT wünsche ich ein frohes neues Jahr 2022 mit ganz vielen solcher Momente. Liebe Grüsse von Nicole

    1. Das klingt nach einem wahren MAGIC MOMENT! Liebe Nicole, ich wünsche dir viele weitere davon in diesem Jahr und dass das mit der spontan sein auch klappt. Oder zumindest ein wenig mehr 🙂 Denn das andere – das Organisierte und Strukturierte – ist natürlich auch wichtig. Aber ich kenn’s, man verzettelt sich dann in dem ganzen Orga-Kram und Dingen, die „getan werden sollten“.
      Mach’s gut, du Schwester im Geiste. Wie schön!
      Viele Grüße, Peggy

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