Buchtipps

Buchvorstellung: „Heute ist ein schöner Tag“

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das kein Roman oder Ratgeber ist, sondern ein Achtsamkeitstagebuch. Es ist speziell konzipiert für Menschen mit Demenz und ihre Familien – und eine richtige kleine Wundertüte: „Heute ist ein schöner Tag“. Warum ich so ein Fan davon bin und was euch in dem Buch erwartert, lest ihr hier.

Momentan erscheinen so viele tolle, neue Bücher über das Vergessen und Erinnern – und das ist großartig! Ich werde euch einige davon in den kommenden Wochen in meinen Büchertipps vorstellen. Doch heute ist erst einmal ein ganz besonderes Buch an der Reihe: „Heute ist ein schöner Tag“. Es ist weder Roman, noch Ratgeber, sondern ein Achtsamkeitstagebuch. Hier erfahrt ihr mehr:

Was ist es für ein Buch?

Ein Achtsamkeitstagebuch für Menschen mit Demenz.
Buchfakten: „Heute ist ein schöner Tag“, (Jupp GmbH, 2022), 288 Seiten, Hardcover mit Leineinband, 29,90 Euro, Website zum Buch

Wer hat es geschrieben?

Lena Schmidt und Corinna Northe

„Heute ist ein schöner Tag“ wurde entwickelt von Lena Schmidt und Corinna Northe. Die beiden haben das Startup JUPP gegründet und gemeinsam haben sie noch viel vor. Sie möchten mit ihrem Unternehmen Produkte und Lösungen entwickeln, die Menschen mit Demenz ein selbstständiges und glückliches Leben ermöglichen.

Corinna lebt als Designerin in Berlin. Schon in ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich mit visuellen Systemen für Menschen mit Demenz. Lena möchte mit JUPP eine Veränderung anschieben, die spielerisch Wissen an Angehörige vermittelt. Für ihr Projekt wurden sie 2021 als Kultur- und Kreativpilot*innen ausgezeichnet

Lena und Corinna kennen das Thema Demenz auch aus der Perspektive der Angehörigen. Lenas Opa erkrankte an einer Demenz, sowie Corinnas Oma. Lena ist als Ehrenamtliche in einer Tagespflege tätig.

Worum geht’s?

Die beiden Autorinnen möchten Menschen mit Demenz und ihre Familien dabei unterstützen, die schönen Dinge im Alltag zu sehen. Wie viele andere Journals basiert „Heute ist ein schöner Tag“ auf den Prinzipien von Achtsamkeit und Dankbarkeit. Dahinter steckt mehr als ein purer Trend. Studien zeigen, dass Dankbarkeit zu besserem psychischen Wohlbefinden führen kann.

Das Herzstück sind die Tagebuchseiten, die man morgens und abends ausfüllen kann. Sie sind kurz und einfach gehalten. Abends kann man rückblickend notieren, wofür man dankbar, was Schönes passiert ist und worauf man sich am nächsten Tag freut.

Was dieses Achtsamkeitstagebuch von anderen Tagebüchern unterscheidet, ist, dass es speziell für Menschen mit Demenz entwickelt wurde – und übrigens, ohne dass das Wort Demenz im Buch nur einmal vorkommt.

In dem Buch kann man aber nicht nur Gedanken und Gefühle aufschreiben. Es gibt für„Heute ist ein schöner Tag“ lädt zum Erkunden und Mitmachen ein: Es gibt Rätsel, Knobeleien, Mandalas, Impulsfragen für Erinnerungsreisen und berührende Zitate. Und dann sind da noch die Gedichte. Man kann sie selber lesen, sich einander vorlesen oder über den QR-Code von Corinna und Lena vorlesen lassen.

Lernfaktor über Demenz?

Klar, das ist kein Ratgeber. Erklärungen über Demenz gibt’s hier nicht. Aber man lernt dennoch einges über Demenz. Corinna und Lena haben das Tagebuch zusammen mit Menschen mit Demenz entwickelt. Über ein Jahr haben sie es mit ihnen, aber auch mit ihren Angehörigen, Pflegefachkräften und Wissenschaftler*innen ausgiebig getestet. Das Buch arbeitet mit gut lesbarer, großer Schrift, starken Farben und Kontrasten – so erfährt man auch als Angehöriger, worauf man selber achten kann im Alltag.

Wenn man dieses Buch gemeinsam nutzt, dann lernt man als Angehöriger vor allem über den Menschen mit Demenz und bekommt Anregungen für gemeinsame Unternehmungen, etwa das Rätseln, Ausmalen oder Vorlesen. Schöne Erlebnisse aus der Vergangenheit kann man festhalten, und so wird „Heute ist ein schöner Tag“ zu einem Erinnerungsschatz für die ganze Familie. Und diese Erinnerungen sind wertvoll, weil sie helfen, dem Menschen mit Demenz Glücksmomente zu schenken.

Mein Lieblingssatz

„Oft kommt es nur auf unsere Sichtweise an“

Mein Fazit

Ich gebe es zu, ich bin ein wenig voreingenommen, weil ich das Buchprojekt schon seit einer Weile kenne und das Buch in der ersten Auflage zusammen mit meiner Familie testen durfte. Was mich auch jetzt wieder begeistert, ist die Frische und Fröhlichkeit, das dieses Buch mit sich bringt, ganz in strahlendem Gelb und mit farbenfrohen, liebevollen Illustrationen, die sich wie ein buntes Band durch das Journal ziehen. Ich mag auch den Leineneinband sehr, dadurch wirkt das Buch hochwertig und ist auch von außen definitiv etwas Besonderes.

Täglich aufzuschreiben, wofür man dankbar ist, klingt vielleicht erstmal wie eine anstrengende Aufgabe. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es tatsächlich hilft, den Blickwinkel zu ändern. Denn mir passiert es auch leicht, dass ich viels schwarzsehe oder sage, dass alles blöd ist. Wenn mich zwinge, genau hinzuschauen und mir überlege, was heute schön war, dann finde ich selbst an ganz blöden Tagen doch etwas. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch für Menschen mit Demenz sehr hilfreich ist.

Meine Mama kann das Buch leider nicht mehr ausfüllen und auch diese Rätsel und Erinnerungsreisen können wir nicht mehr mit ihr machen. Aber ich freue mich, darauf, es gemeinsam mit meinem Papa auszufüllen und meiner Mama ein Gedicht vorzulesen. Und übrigens: Als meine Töchter das Buch zum ersten Mal gesehen haben, haben sie angefangen zu singen: „Heute ist so ein schöner Tag“ und gleich wurde viel fröhlicher.

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