Buchtipps

Buchvorstellung: „Wie meine Großmutter ihr ICH verlor“

Regelmäßig stelle ich euch Bücher rund ums Thema Demenz vor. Vor kurzem haben wir für den Podcast „Leben, Lieben, Pflegen“ Dr. Sarah Straub interviewt. Sie ist Psychologin, Sängerin und Angehörige – ihre Omat hatte Demenz. Über ihre beruflichen und privaten Erfahrungen hat Sarah Straub ein Buch geschrieben, das ich euch hier vorstelle: „Wie meine Großmutter ihr ICH verlor“.

„Wie meine Großmutter ihr ICH verlor“ (Kösel Verlag) von Dr. Sarah Straub

In der aktuellen Podcastfolge haben wir Sarah Straub interviewt und mit ihr sehr viel über das Thema Diagnose gesprochen. Auch in ihrem Buch „Wie meine Großmutter ihr ICH verlor“ spielt das Thema eine große Rolle. In diesem Teil meiner Büchertipps stelle ich euch ihr Buch vor.

Was ist es für ein Buch?

Ein Ratgeber.

Buchfakten: „Wie meine Großmutter ihr ICH velor“, Kösel Verlag, 2021. 18,00 Euro. Das Buch gibt es auch als Hörbuch.

Wer hat es geschrieben?

Dr. Sarah Straub ist Neuropsychologin und arbeitet an der Gedächtnissprechstunde am Universitätsklinikum Ulm. Sie ist zudem Sängerin und Liedermacherin. Sarah Straub ist aber auch Angehörige. Ihre Oma hatte eine Demenz. Die Erfahrungen mit ihrer Oma führten dazu, dass sie sie für Neuropsychologie interessierte und beruflich diesen Weg einschlug.

Weitere Informationen zu Sarah Straub findet ihr auf ihrer Website

Sarah Straub.
Foto: Thomas Melcher

Worum geht’s?

Dieses Buch ist ein Ratgeber und Erfahrungsbericht zugleich. Sarah Straub beantwortet die häufigsten Themen und Fragen, die Angehörige rund um das Thema Demenz haben: Es geht um Diagnose, Therapie und den Alltag mit Demenzerkrankungen. Die Autorin berichtet von ihren persönlichen Erfahrungen und den Erfahrungen in der Gedächtnissprechstunde. Dabei hat sie immer die Menschen mit Demenz und ihre Familien im Blick. Sarah Straub informiert und klärt auf und gibt Angehörigen hilfreiche Einblicke. So beschreibt sie zum Beispiel, wie eine Demenzdiagnostik abläuft und gibt Angehörigen viele Tipps:

Ich erlebe immer wieder, dass Begleitpersonen gehemmt sein können und nicht ganz offen sprechen, Defizite sogar beschönigen – weil sie den nahestehenden Betroffenen nicht verletzen wollen. Nicht immer bemerken wir das, nicht immer sind wir sensibel genug, solche Situationen richtig einzuschätzen. Seien Sie als Angehörige oder Angehöriger mutig und bestehen darauf, allein mit dem Arzt zu sprechen.“

Zu einem großen Teil geht es auch um das Leben mit Demenz und die Veränderungen, die auftreten können. Dabei stellt sie verschiedene Therapiemöglichkeiten vor und erklärt für wen sich welche Behandlungen eignen, zum Beispiel profitieren Menschen mit Sprachstörungen von einer Logopädie. Sarah Straub bleibt dabei immer realistisch und schürt keine falschen Erwartungen

Sie erklärt Veränderungen, die mit einer Demenz einhergehen können und nutzt dazu ihre eigenen Erfahrungen sowie Fallbeispiele aus ihrem beruflichen Alltag. Eine der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit an der Gedächtnissprechstunde ist das Thema frontotemporale Demenz. Dazu gibt Sarah Straub viele Informationen und klärt über diese Form der Demenz auf, die vielen Menschen noch unbekannt ist. Demenz wird häufig mit Alzheimer gleichgesetzt, aber es gibt viele verschiedene Formen, die mit unterschiedlichen Anzeichen und Ausprägungen einhergehen.

Sarah Straub setzt sich für die Angehörigen und Menschen mit Demenz ein. Sie beschreibt im Buch auch ihren Werdegang und ihr Engagement für das Thema Demenz. Als Sängerin arbeitet sie unter anderem mit Konstantin Wecker zusammen und schrieb das Lied „Schwalben“ über die Situation von pflegenden Angehörigen. Sie geht auf die Sorgen und Belastungen von Angehörigen ein und ermutigt, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Sarah Straub findet klare Worte:

Gleichzeitig müssen pflegende Angehörige, die das professionalisierte Pflegesystem nachweislich entlasten, genügend Würdigung erfahren, um in ihrer Entscheidung nicht benachteiligt zu werden.“

Lernfaktor?

Dieser Ratgeber steckt voller wertvoller Informationen über das Thema Demenz. Er enthält viele gute Tipps, die Familien mit Demenz helfen können. Sarah Straub macht aber auch deutlich, dass es nicht den einen Weg mit der Demenz gibt. Denn Demenzerkrankungen sind verschieden und auch das persönliche Umfeld und die Lebenserfahrung sind anders bei jedem Menschen – und entsprechend unterscheidet sich, was Menschen mit Demenz und ihre Familien benötigen.

Die Autorin ermutigt Angehörige, sich mit dem Thema Demenz zu beschäftigen, Dinge zu hinterfragen, sich Hilfe zu holen und selber zum Experten zu werden und damit auch selbstbewusst umzugehen.

Herausfordernde Situationen bleiben immer herausfordernd, egal welche Tipps für den Umgang meine Kollegen und ich geben konnten. Informationen über die Erkrankung sowie Handlungsempfehlungen sind der wichtigste Grundstein, um Familien auf ein Leben mit einem Demenzkranken vorzubereiten. Dennoch ist der Alltag dann um ein Vielfaches komplexer und unvorhersehbarer, als es theoretische Ratgeber erfassen können…. Die täglichen Herausforderungen des Betreuungs- und Pflegealltags machen Sie zu den eigentlichen Demenzexperten.“

Extras

Im Buch findet sich ein Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen sowie eine Liste mit hilfreichen Adressen. Hier findet ihr einen Trailer zum Buch.

Podcastfolge mit Sarah Straub

Folge 20: Diagnose Demenz – mit Dr. Sarah Straub Leben, Lieben, Pflegen – Der Podcast zu Demenz und Familie

Nur vergesslich oder steckt da mehr dahinter? Die Symptome von Demenzerkrankungen sind häufig für Betroffene und Angehörige nicht leicht zu erkennen und zu deuten. Wann sollte man sich an einen Arzt oder eine Ärztin wenden? Wer ist der richtige Ansprechpartner? In dieser Folge von "Leben, Lieben, Pflegen" dreht sich alles um das Thema Diagnose. Familiencoach Anja Kälin und Bloggerin Peggy Elfmann sprechen dazu mit der Neuropsychologin Dr. Sarah Straub. Ihr Rat: "Der Punkt zum Arzt zu gehen ist dann erreicht, wenn der Alltag nicht mehr klappt, wenn auch eigentlich routinierte Dinge nicht mehr funktionieren. Dann muss man aufhorchen."

Mein Lieblinglingssatz

„Ein Leben mit Demenz ist lebenswert… Wir müssen alte Glaubenssätze und Beziehungsstrukturen loslassen lernen. Wir müssen lieben lernen, was noch ist.“

Mein Fazit

Kompetent und einfühlsam – mit diesen zwei Worten lässt sich der Ratgeber von Sarah Straub sehr gut beschreiben. Ich habe ihn gerne gelesen und einiges hinzugelernt. Die Informationen und Tipps sind praktisch und kurz, so dass man sie gut umsetzen kann. Die Hintergrunderklärungen helfen, gewisse Veränderungen zu verstehen. Sarah Straub ist Neuropsychologin, aber ihr Ratgeber kommt ohne komplizierte Fachausdrücke aus.

Ich finde diesen Ratgeber so wertvoll, weil er auch die pflegenden Angehörigen in den Blick nimmt, deren Anstrengungen wertschätzt und ihnen Mut macht. Mit ihrem Ratgeber möchte sie Familien wichtiges Wissen an die Hand geben, damit sie ihren Alltag besser gestalten können. Das ist ihr wunderbar gelungen!

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