"Liebe Mama..."

Liebe Mama, es ist schön, dir nahe zu sein!

Als Kind habe ich mich oft zu meiner Mama ins Bett geschlichen, so wie meine Töchter es jetzt bei mir machen. Sie mögen und suchen diese Nähe sehr. Ich bin meiner Mama allerdings schon seit Jahren nicht mehr so nahe gekommen. Bis zu diesem Wochenende, an dem wir gefeiert haben und ich mich am Morgen danach neben sie gelegt habe, um sie zu wecken. Liebe Mama, es ist schön, dir nahe zu sein!

Liebe Mama, es ist schön, dir nahe zu sein.

Gerade erst hattest du Geburtstag. 66 Jahre bist du nun – und wir haben dich gefeiert. Schon Wochen (oder eigentlich Monate) vorher haben wir angefangen, dein Fest zu planen und hatten durchaus unterschiedliche Vorstellungen davon: Papa wollte dieses Fest ganz groß begehen und viele Verwandte und Bekannte in ein Restaurant einladen. Ich wollte es ganz kleinhalten, weil ich Angst hatte, dass dich alles andere überfordert. Ich wollte, dass du einen Tag voller Glücksmomente hast und keine Stresssituationen erlebst. Wir beide wollten das Beste.

Wir haben uns gegen das Restaurant entschieden und zu Hause gefeiert, mit doch einigen Gästen. Es war schön, und ich hatte das Gefühl, dass du dich rundum wohl gefühlt hast. Vielleicht, weil auch wir uns alle wohlgefühlt haben. Die Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten, die wir sonst mitunter haben, haben wir irgendwie beiseite geschoben. Wir haben erzählt, gut gegessen und getrunken, im Garten Fußball gespielt und eine Wasserbombenschlacht gemacht und viel gelacht. Ich glaube, besser hätte es kaum sein können.

Du warst mittendrin und die Hauptperson an diesem Tag – das von allen Seiten zu spüren, war schön. Hat es dir gefallen? Du wirktest sehr in Frieden und Ruhe mit dir. Wir hatten und haben ja immer Bedenken vor solchen Festen zu Hause, weil wir dich nicht überfordern wollen. Aber dann wiederum: Feiern gehört doch zum Leben dazu und kann ganz viel geben. Selbst, wenn du vielleicht nicht so mitmachen kannst wie früher, aber du hast eben doch teil. Es ist, wie ich schon einmal geschrieben habe: „Mittendrin tut allen gut.“

Liebe Mama, weißt du, was ich an diesem Wochenende neu wiederentdeckt habe? Wie es ist, neben dir zu liegen und dir Nähe zu geben.

Am Morgen lagst du noch in eurem Bett und Papa stand neben dir. Er wollte dich wecken, aber du hast die Augen kaum aufbekommen. Da bin ich ins Bett gekrabbelt, habe mich neben dich gelegt, dir über den Kopf gestreichelt und dir einen „Guten Morgen“ gewünscht. Ganz langsam bist du wach geworden und hast uns mit lächelnden Augen angeschaut.

Liebe Mama, es ist schön, dir nahe zu sein. Man könnte meinen, du bist in einer anderen Welt, weil du oft woanders scheinst oder deine Augen geschlossen hast. Aber du bist hier und du spürst die Nähe und Liebe – und ich hoffe, dass wir dir beides noch lange geben können.

Deine Peggy

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