Buchtipps, Praktische Tipps

Buchvorstellung: „Das Gartenjahr für Menschen mit Demenz“

Wenn ich durch den Garten gehe, wenn ich in der Natur bin, muss ich oft an meine Mama denken, denn sie liebt es dort. Früher hat sie in unserem emsig gesät, gepflanzt, gepflegt. Ich habe mich sehr gefreut, als ich das Buch „Das Gartenjahr für Menschen mit Demenz“ entdeckt habe, in der Hoffnung, dass es mir für meine Mama viele Anregungen bieten kann. Spoiler: Das kann es sehr gut. Im folgenden Beitrag stelle ich euch das Buch von Ulrike Kreuer vor, mit dem man wunderbar gemeinsam in die Natur eintauchen kann.

„Das Gartenjahr für Menschen mit Demenz“ von Ulrike Kreuer

Der Garten spielt für meine Mama eine große Rolle. Als ich ein Kind war, hatten wir einen sehr großen Garten und haben dort viel Gemüse gezogen. Nach dem Umzug in das Haus hatten wir vor allem einen Ziergarten – und meine Mama hat mit ihrem grünen Daumen alles zum Blühen gebracht. Im Garten zu werkeln und Spaziergänge durch die Natur haben ihr auch besonders nach der Diagnose Alzheimer gut getan. Dort ist sie aufgelebt. Aber wie ist das jetzt mit der fortgeschrittenen Demenz? Mama ist immer noch gerne im Garten, das spüre ich.

Gibt es etwas, das wir dort gezielt mit ihr tun können? Oder für sie anpflanzen können? Was gibt es zu beachten? Wie können wir ihr im Garten Glücksmomente schenken? Da sind viele Fragen, Antwort geben soll ein Ratgeber. In diesem Teil meiner Büchertipps wird es deshalb sehr grün, denn ich stelle euch „Das Gartenjahr für Menschen mit Demenz“ vor.

Was ist es für ein Buch?

Ein Ratgeber für Angehörige und Fachleute.

Buchfakten: „Das Gartenjahr für Menschen mit Demenz“, Ernst Reinhardt Verlag, 2022. 29,90 Euro. Auch als E-Book erhältlich.

Wer hat es geschrieben?

Ulrike Kreuer ist langjährig erfahrene Gartenbauingenieurin sowie Gartentherapeutin. Seit vielen Jahren gestaltet sie Gärten für Menschen mit Demenz, ist in Pflegeheimen und Tagespflegeeinrichtungen aktiv. Sie begleitet dort auch entsprechende Angebote zum Gärtnern.

Weitere Informationen zu Ulrike Kreuer findet ihr auf ihrer Website „Der dritte Frühling“

Ulrike Kreuer im Garten
Garten-Expertin Ulrike Kreuer

Worum geht’s?

In „Das Gartenjahr für Menschen mit Demenz“ dreht sich alles um den Garten, soweit so logisch. Das Grundgerüst sind die zwölf Monate, anhand von denen Ulrike Kreuer durch das Jahr führt. Sie beschreibt kurz, wie sich die Natur in dem Monat üblicherweise entwickelt, welche Pflanzen wachsen, welche Tätigkeiten anstehen. Ulrike Kreuer berichtet von ihren langjährigen Erfahrungen aus der Begleitung von Menschen mit Demenz und bringt viele Beispiele.

Zudem gibt in jedem Monat mehrere Praxistipps. Das sind konkrete Anleitungen, um Dinge herzustellen oder Ideen, wie man im Garten oder auf dem Balkon tätig werden kann. Beispielsweise erklärt sie im Juni, wie man Holunderblütensirup herstellt, Rosen richtig ausputzt und abschneidet, Heu wendet oder Schnecken bekämpft. Es sind ganz normale Gartentätigkeiten, die auf verschiedenste Weise anregen und aktivieren, etwa durch das Riechen und Schmecken oder das Bewegen. Kleine Grafiken zeigen, was bei den Tätigkeiten besonders gestärkt wird, sodass es gut erkennbar ist, etwa Kreativität, Aktivität oder Erinnerung. Zudem gibt sie immer eine Zeitangabe, wie lange die Aktivität dauert und was es an Vorbereitung benötigt. Das ist denke, ich für Betreuungskräfte in Einrichtungen eine hilfreiche Information.

In jedem Kapitel gibt die Autorin auch Hintergrund-Infos, die als solche markiert sind. In diesen stellt Ulrike Kreuer Studien und Forschungsergebnisse vor oder erläutert, welche Veränderungen eine Demenz mit sich bringen kann. Im Juli erklärt sie beispielsweise – passend zu dem Thema Getreide, Brot und Brotverkostung – welche Bedeutung die Geschmacksgewohnheiten für Menschen mit Demenz haben und was Angehörige und Pflegende tun können, um beim Essen zu unterstützen.

Der Garten ist ein Ort der Freude und der Aktivität – in jedem Kapitel steckt eine Fülle an Anregungen, die Angehörige oder auch Betreuuerinnen gemeinsam mit Menschen mit Demenz umsetzen können. Die Ideen lassen sich nicht nur im Garten, sondern auch auf dem Balkon umsetzen.

Der Garten in seinem natürlichen Rhythmus kann sie dabei unterstützen. Er hat für jeden Tag eine sinnstiftende Erfahrung und gesundheitsfördernde Betätigung anzubieten, die Menschen mit Demenz in ihrem Wohlbefinden stärkt und Lebenserinnerungen aufleben lässt.“

Lernfaktor?

Wer nicht so gartenerfahren ist wie ich, lernt jede Menge über die Tätigkeiten im Garten und erhält viele Tipps zur Pflege von Pflanzen oder zum Ernten. Sehr informativ und anschaulich beschrieben. Ulrike Kreuer gibt viele Anregungen, mit welchen Aktivitäten man Menschen mit Demenz einbinden kann und was ihnen Freude machen kann. Sie orientiert sich dabei an dem Erfahrungswissen, das ältere Menschen häufig haben und baut auf diesen Ressourcen auf. Sie präsentiert eine Fülle an Ideen – und diese sind leicht umsetzbar und auch für Garten-Laien machbar.

Extras

Wer sich weiter mit dem Thema beschäftigen möchte, findet ein umfassendes Literaturverzeichnis und interessante Internetlinks.

Mein Lieblinglingssatz

„Der Garten ist für alle ein Ort zum Wohlfühlen.“

Mein Fazit

Lust aufs Gärtnern und auf das Erleben der Natur – das habe ich gleich nach ein paar Seiten verspürt. Ulrike Kreuer macht mit ihren Beschreibungen und Erzählungen große Lust, aktiv zu werden und vor allem auch gemeinsam. Ich finde es eine super Idee, sich an den zwölf Monaten zu orientieren, denn diese leiten Menschen von Kindesbeinen an und geben eine Orientierung. Mir gefällt es besonders, dass die Autorin auf die sinnlichen Erfahrungen in der Natur eingeht und das Potenzial, das Menschen mit Demenz mitbringen, aufzeigt. Sie gibt so schöne Ideen, die ich am liebsten sofort ausprobieren möchte, etwa einen Gänseblümchentee zubereiten oder morgens auf der Wiese Tautreten.

Toll finde ich die konkreten Anleitungen und auch die kompakten Hintergrund-Infos. „Das Gartenjahr für Menschen mit Demenz“ ist ein Ratgeber, den ich sicher häufig zur Hand nehmen werden, denn es lohnt sich, immer wieder hineinzuschauen. Das ganze Jahr hinüber findet man Ideen für kreative Aktivitäten. Man spürt die Freude, mit der Ulrike Kreuer in der Natur unterwegs ist und es gelingt ihr, die Lesenden da mitzunehmen. Ich habe zwar nicht den grünen Daumen meiner Mama geerbt, aber ich bin mindestens genauso gerne in der Natur wie sie. Schön, wenn ich immer wieder ein paar Dinge lernen kann, um ihr Glücksmomente zu schenken, und das habe ich definitiv aus diesem Ratgeber.

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