Demenzmoment

Schönheit und Demenz?

Demenz und Schönheit – so ist das Thema der Blogparade #demenzmoment im Juli. Gibt’s irgendetwas Schönes an der Demenz? Nein, wahrlich nicht. Krankheiten erweisen sich ja selten als schön und auch an einer Demenzerkrankung ist nichts schön. Und dennoch ist da Schönheit.

Mama und Peggy schlafen

Schönheit und Demenz?

Vor wenigen Tagen habe ich entdeckt, welches Thema für den #demenzmoment im Juli geplant war: Schönheit. Und ich dachte, dass das eigentlich gar nicht passt. Warum haben wir das ausgesucht? Geht doch gar nicht! Demenz ist nicht schön. Demenz hat nichts mit Schönheit zu tun. Für mich ist da gerade so viel Angst, Traurigkeit und Leere, dass Mamas Alzheimererkrankung alles andere als schön ist.

Und dann fragte ich meine Blog-Kollegin Tanja, mit der ich das #demenzmoment-Projekt mache, ob wir das wirklich machen wollen. Ich zweifelte das Thema an. „Schönheit und Demenz?“, fragte ich mich. Aber Tanja meinte, dass das natürlich gehe, denn schöne Momente seien auch mit der Demenz da.

Momente der Nähe

Ja, das stimmt, dachte ich. Auch, wenn an der Demenz nichts Schönes ist, so sind doch schöne Momente möglich. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Ich dachte ja auch anfangs, dass es nie wieder gut wird und immer nur eine graue Wolke über uns schweben würde. Aber mit dem weiteren Weg mit Mamas Alzheimererkrankung habe ich viel gelernt und immer wieder erfahren, dass es Schönes gibt.

Es sind möglicherweise andere Momente, als die, die man gemeinhin als schön bezeichnet.

Es sind kleine Momente.

Manchmal sind sie so unscheinbar, dass man sie kaum wahrnimmt. Aber sie sind da.

Für mich ist es ein schöner Moment, wenn meine Mama lächelt. Wenn sie neben mir einschläft, weil sie sich geborgen fühlt. Wenn sie mit Genuss an einem Eis schleckt. Wenn meine Töchter ihre Hand nehmen und mit ihr im Garten eine Runde drehen.

Es sind Momente der Nähe – und das sind schöne Momente für mich. Ich bin überzeugt davon, dass sie auch für meine Mama schön sind, denn sie strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus.

Demenz mit anderen Augen sehen

Vielleicht liegt es auch an unserer Prägung und an den Vorurteilen, dass ich mit Demenz zunächst alles andere als Schönheit verbunden habe und es auch jetzt nicht so leicht zusammengeht. Vieleicht liegt es an den Bildern und den Bildern im Kopf? Ich denke an das Interview mit Désirée von Bohlen über das Projekt „Demenz neu sehen“, das dazu aufruft, neue Bilder von Demenz zu machen, die jenseits der gängigen Klischees sind. „Demenz wird fast immer defizitär gezeigt. … Diese negativen Darstellungen wirken stigmatisierend. Und die Stigmatisierung wirkt sich negativ auf die Betroffenen, die Familien, die ganze Gesellschaft aus“, sagte sie.

Ja, Demenz geht mit vielen unschönen Dingen einher, mit großen Herausforderungen, mit Angst und Trauer, aber es gibt auch schöne Seiten.

Natürlich erleben Familien durch die Demenz Negatives und große Herausforderungen, aber es gibt auch schöne Seiten. Dieser Gedanke macht mir Mut und ich möchte versuchen, wie ein Detektiv auf die Suche nach ihnen zu gehen, denn ich glaube, dass es uns allen guttut, meiner Mama und mir und den lieben Menschen um uns herum.

Noch mehr Beiträge zur Blogparade Demenzmoment findet ihr auf dieser Seite.

2 Gedanken zu „Schönheit und Demenz?“

    1. Ja, das ist sozusagen die Grundlage. Und vielleicht ist es am wertvollsten, wenn man realisiert, dass es nicht den einen Maßstab gibt, sondern wir alle Ecken und Kanten haben 💜

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