Kommunikation, Wie ich helfen kann

Validation und Kommunikation bei Demenz – Mein Fazit zum Vortrag und meine Erfahrungen

Vor einiger Zeit habe ich einen tollen Vortrag zum Thema „Validation – Wie funktioniert einfühlsame Kommunikation mit Menschen mit Demenz?“ besucht. Die Alzheimer Gesellschaft München hatte Eva Küpers eingeladen und sie hat sehr unterhaltsam darüber gesprochen, wie Validation funktioniert. Während dem Vortrag habe ich aber auch gemerkt, dass ich vieles davon bereits tue – und zwar nicht nur in der Kommunikation mit meiner Mama, sondern auch mit meinen Kindern. Beides war und ist ein Lernprozess und wie gut, dass ich von Vorträgen und Seminaren immer wieder etwas für meinen Alltag mitnehme. In diesem Blog-Beitrag möchte ich euch in die Welt der Validation entführen und meine Erfahrungen dazu mitgeben. Ihr lest, warum bei der Kommunikation mit Menschen mit Demenz Achtsamkeit und Bestätigung so eine große Rolle spielt, warum ich als Angehörige dabei meine eigene Komfortzone verlassen muss und mich an dem Hier und Jetzt orientieren sollte

Kommunikation_Demenz_Erfahrungen_Seminar

Ich habe ja schon einige Male über Kommunikation mit Menschen mit Demenz geschrieben, denn es ist einfach ein wichtiges Thema. Und viele Missverständnisse im Miteinander resultieren daraus, dass wir nicht oder nicht genug miteinander kommunizieren. Als ich erfahren habe, dass Eva Küpers, die Validations-Trainerin ist und sehr engagiert in der Celler Demenz Initiative, nach München zur Alzheimer Gesellschaft kommt, wollte ich gerne dabei sein. Und ich habe sehr viel mitgenommen aus dem Vortrag, manches Neues erfahren und in anderem wurde ich in meinem Wissen und meinen Erfahrungen bestätigt.

Demenz: Kommunikation über Körpersprache

Klar, wir sprechen mit Worten. Aber natürlich auch mit der Körpersprache.Die non-verbale Kommunikation ist fast noch wichtiger als die verbale Kommunikation“, sagte Eva Küpers. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Gerade seitdem Mama fast gar nicht mehr spricht, habe ich das verstanden. Sie spricht zwar keine Worte aus, aber wir merken an ihrer Körpersprache, ob es ihr gut geht oder etwas nicht in Ordnung ist. Und umgekehrt spürt auch sie, was wir ihr eigentlich sagen wollen.

Wenn ich gestresst sage „Alles ist gut“ dann spürt meine Mama sehr wohl, dass es eben nicht so gut ist. Sie schaut mich dann mit großen Augen an und ich kann die Unsicherheit von ihrem Gesicht ablesen. Eva Küpers hat es mit treffenden Worten gesagt: „Wenn der Mensch sich verliert, fängt er an nur noch mit dem Bauch zu denken.“ Es sind die Gefühle, die dann die Kommunikation bestimmen und die dann die neuen Wörter werden.

Genauso kenne ich es übrigens von meiner kleinen Tochter, die erst allmählich lernt, mit ihren Gefühlen umzugehen. Sie ist ein sehr sensibles Mädchen und nimmt so viele Einflüsse von außen auf, ihre Gefühle haben sich oft in vielen Explosionen geäußert. Jetzt, mit viereinhalb Jahren, kann sie schon anders damit umgehen, sich beruhigen, wenn sie sauer ist, ohne immer zu explodieren. Was sie auch gelernt hat, in einem Moment, der ihr Angst macht, nicht sofort wegzurennen oder zu weinen. Aber an ihrem Körper spüre ich meist sofort, wie es ihr geht – und ähnlich ist es bei Mama.

Kommunikation bei Demenz: den anderen bestätigen

Die Bedeutung um die Körpersprache ist das eine. Das andere wichtige ist, auf den anderen einzugehen und ihn/sie zu bestätigen. Auch wenn für uns diese Dinge vielleicht sinnlos scheinen, aber für den Menschen mit Demenz ergibt es einen Sinn. „Sie machen genau das, was für sie richtig ist“, sagte die Gerontologin.

Sie führte sehr einprägsame Beispiele vor. Von der Frau, die ein Tuch sorgsam faltete und sich dann in das Shirt steckte. Von der Frau, die die Zeitung vor sich hielt, verkehrt herum. Mein erster Gedanke war: „Häh, was soll denn das?“ und ich kann nicht garantieren, dass ich diesen Satz nicht schon einmal (oder mehrmals) geäußert habe bei meiner Mama.

Menschen mit Demenz haben eine andere Wichtigkeit vom Leben.“

Denn auch sie machte unsinnige Dinge. Ich erinnere mich, dass sie bei einem Ausflug unbedingt noch in eine Drogerie wollte, um ein Deo zu kaufen (dabei gab es schon etliche zu Hause) oder dass sie immer wieder nach einem Eierlöffel fragte, den wir noch besorgen müssten (obwohl wir schon genug hatten). Was ich bei dem Vortrag noch einmal verstanden habe: Für meine Mama hat das sehr viel Sinn gemacht und für sie war es wichtig. Genauso wie für die Dame die Zeitung (sie wollte zeigen, dass sie nicht dumm ist, sondern immer noch gebildet, weil sie Zeitung liest) und für die andere Dame, die sich um das Tuch wie um ihr Baby kümmerte.

Eva Küpers berichtete von ihren Begegnungen mit Naomi Feil, der Begründerin der Validation, die einmal sagte, dass wir als Angehörige den gedanklichen Sprung machen müssen. „Es liegt an uns auf das einzugehen, was der andere fühlt. Wenn wir das schaffen, dann entsteht ein Frieden und ich kann ihn viel besser leiten“, sagte Eva Küpers.

Die Bedeutung der Biografie in der Kommunikation bei Demenz

Ehrlich gesagt gab es ein wenig Raunen im Raum als Eva Küpers das erzählte. Ich dachte: ‚Wie soll das denn gehen?‘ Und Eva Küpers erzählte weiter, wie wichtig es sei, sich komplett auf den anderen einzulassen, auch wenn das vielleicht weh tue. Aber es sei die einzige Möglichkeit, denn der andere könne nicht aus seiner Welt heraus – wir aber aus unserer schon.

Sie zeigte dieses Foto von den zerschlissenen Schuhen und sagte den Satz, der sich mir sehr gut eingeprägt hat:

Hab den Mut in den Schuhen des Anderen zu gehen, bevor du über ihn urteilst.“

Mit dieser Einstellung, den anderen und seine Biografie zu sehen und anzuerkennen, verlässt man auch den eigenen Sicherheitssektor. Es kommt nicht mehr auf das an, was wir als richtig oder falsch gelernt haben. Es kommt darauf an, was der andere gerade fühlt und braucht – und danach zu handeln. Wir verlassen die eigene Komfortzone und wissen ehrlich gesagt auch nicht so richtig, was uns erwartet.

Abschied von dein eigenen Erwartungen

Die eigenen Regeln und Erwartungen zu verlassen, fällt mir besonders schwer. Ich merke das besonders seitdem ich Mutter bin. Denn Kinder funktionieren immer irgendwie anders als geplant oder erwartet. Nicht, weil sie falsch sind oder ich nicht erziehen kann, sondern einfach, weil sie eigene Menschen mit ganz eigenen Bedürfnissen sind. Und auch meine Mama hat ganz andere ganz spezielle Bedürfnisse seitdem die Alzheimer-Krankheit immer weiter voranschreitet.

Ehrlich gesagt, jeder einzelne Mensch von uns hat seine seigenen Bedürfnisse – bloß wir können die klar kommunizieren oder Kompromisse finden. Kleine Kinder und Menschen mit Demenz können dies nicht. Um diese Bedürfnisse zu erkennen, dafür komme es auf Achtsamkeit an. „Achtsam sein heißt für mich, dass ich sehe, welche Stimmung der andere Mensch hat. Ich lasse ihn als Persönlichkeit gelten, wie er ist ohne zu werten oder abzuwerten“, erklärte Eva Küpers.

Eva Küpers zeigte noch das berührende Video von Naomi Feil und Gladys Wilson. Sehr traurig und ich musste weinen, aber es hat doch sehr eindringlich gezeigt, dass man bis zum weit fortgeschrittenen Stadium miteinander kommunizieren kann und es dem Menschen mit Demenz so guttut, wenn er angenommen und akzeptiert wird. Und ganz ehrlich: das tut es uns allen doch auch.

Danke für diesen Vortrag! Einmal mehr die Bestätigung, dass Demenz nicht nur schrecklich ist, sondern dass ich dadurch sehr viel über mich und das Leben lerne.

2 Gedanken zu „Validation und Kommunikation bei Demenz – Mein Fazit zum Vortrag und meine Erfahrungen“

  1. Die „paraverbale“ Kommunikation ist ganz entscheidend, habe ich bei meinen Vorträgen immer gesagt. Das bedeutet „Der Ton macht die Musik“ Ich habe auch behauptet, daß demenziel erkrankte Menschen “ mit dem Herzen“ denken“. Sie nehmen an Stimme und Tonfall war, was das Gegenüber fühlt, wir können unsere Unsicherheit, Traurigkeit oder Ungeduld nicht wirklich vor ihnen verbergen. Denn sie hören die Musik in unserer Sprache. Mir ist es einmal passiert, daß eine Demenzkranke Frau mich fragte „Warum bist du traurig? “ und ich in diesem Moment erst selbst wahrgenommen habe, dass ich tatsächlich niedergeschlagen war an diesem Tag.
    Das mag daran liegen, daß Musik und Rhythmuswarnehmung noch viel länger erhalten bleiben als kognitive Fähigkeiten. Ja, im Wahrnehmen von Gefühlen, haben und Demenzkranke etwas voraus 😊 Mir erscheint es so, dass wo Vernunft und Rationalität, der klahre Verstand Raum frei geben, da gewinnt das Gefühl, das Herz Raum und nimmt diesen ein. Liebe Grüße

    1. Liebe Petra, das hast du schön und treffend beschrieben. Genaus nehme ich es auch wahr mit meiner Mama. Und ich muss gestehen, dass mir das lange nicht bewusst wahr. Erst jetzt, wo sie so oft in ihrer eigenen kleinen Welt ist, spüre ich ihre Fähigkeit, Gefühle wahrzunehmen. „Mit dem Herzen denken“ – davon sollten wir uns alle ein bisschen abschauen 🙂
      Ganz lieben Gruß

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