Gastbeitrag

Gastbeitrag: „Das verlorene Zimmer“

Humor spielt eine besondere Rolle im Alltag und kann für Menschen mit Demenz eine wichtige Brücke sein. Im heutigen Gastbeitrag stellen sich die ROTE NASEN Clowns vor: Emma Dilemma hilft bei der Suche nach dem verlorenen Zimmer.

Rote Nasen Clown Emma Dilemma mit einer älteren Dame
Gemeinsam Spaß haben – Das bringt Freude.
Foto: Gregor Zielke/Rote Nasen

Ich merke im Alltag immer wieder, wie hilfreich Humor sein kann. Ich muss gestehen, dass mir das allerdings nicht immer leicht fällt, gerade wenn ich gestresst bin. Durch meine Mama habe ich noch mal einen anderen Blick auf das Thema Humor bekommen: Ich habe das Gefühl, dass sie sich oft viel unmittelbarer und herzlicher freut als früher. Kleine Späße, Neckereien und ein Lächeln erfreuen sie – und tun auch mir gut.

Humor bei Demenz – Was heißt das überhaupt und wie kann das gehen? Darüber habe ich mit dem Humortherapeuten Markus Proske gesprochen. Und auch der Illustrator Peter Gaymann hat mir erzählt, warum das Lachen so wichtig ist.

In diesem Gastbeitrag gibt es noch mehr Einblicke in das Thema Humor. Die ROTE NASEN Clowns stellen ihre Arbeit vor und beschreiben in diesem Beitrag, was passiert, wenn sie zu Besuch in einem Pflegeheim sind.

Gastbeitrag der ROTE NASEN Clowns: „Das verlorene Zimmer“

von Elisabeth Fajt, ROTE NASEN Deutschland e.V.

Heute sind ROTE NASEN Clowns Emma-Dilemma und Stefanello in einer Pflegeeinrichtung in Berlin mal wieder zu Besuch. Im Flur begegnen sie einer älteren Dame. Frau Falk* wirkt verloren und ganz unglücklich. „Mein Zimmer, wo ist mein Zimmer? Es ist nicht mehr da!“, sagt die Dame verzweifelt. „Was? Das Zimmer ist weg?“ fragt der Clown staunend und mit amerikanischem Akzent, der ein bisschen hamburgerisch klingt. „So ein freches Zimmer, einfach wegzulaufen! Kommen Sie, wir fangen es wieder ein. Zum Glück habe ich mein Lasso dabei.“

Emma Dilemma nimmt Frau Falk vorsichtig an der Hand und führt sie langsam durch den Flur. Ihren Clown-Kollegen Stefanello hat sie im Schlepptau. Gemeinsam gehen sie von Tür zu Tür: “Nein, das ist es nicht.“ sagt Frau Falk immer wieder in einem traurigen Ton. Nach der fünften weißen Zimmertür, an der sie vorbeilaufen, bleiben sie vor der nächsten stehen. „Zimmer 34, Frau Falk“ steht auf dem Schild. „Ah, da ist es ja!“ freut sich Emma-Dilemma. „Ist das nun das richtige Zimmer, Frau Falk?“ Die ältere Dame schaut Emma tief in die Augen und entgegnet: „Ja, ich weiß nicht…Ja, doch das ist mein Zimmer.“ Mit vereinten Kräften haben sie das verlorene Zimmer gefunden. Was für eine Erleichterung!

Clown Emma tätschelt die Tür

Emma Dilemma öffnet die Tür und schimpft derweil ein bisschen: „Ich will dir mal was sagen, du freches Zimmer! Einfach wegzulaufen, schäm dich. Frau Falk hat dich überall gesucht! Aber nun bist du ja wieder da! Das ist gut.“ Clown Emma tätschelt die Tür, als sei sie ein Pferd, lehnt ihr Ohr an das Schlüsselloch und fragt neugierig: “Was willst du mir sagen?… Ah, ja. Alles klar!“ Sie wendet sich Frau Falk zu: „So liebe Frau Falk, Sie können frohgemut in Ihr Zimmer gehen. Es hat mir versprochen, gut auf Sie aufzupassen! Kommen Sie, wir gehen hinein.“

Emma-Dilemma hilft der Dame, die sich wieder beruhigt hat, in ihren dunkelgrünen Sessel am Fenster und verabschiedet sich: „Jetzt muss ich weiterreiten und noch mehr freche Zimmer einfangen. Yippieh!“

ROTE NASEN CLOWN Emma Dilemma mit einer Bewohnerin und einem anderen ROTE NASEN CLOWN
Na, was suchen sie denn?
Foto: Gregor Zielke/Rote Nasen

Clowns öffnen die Türen zur Welt

An Demenz oder Alzheimer erkrankte Menschen sind häufig in ihrer inneren Welt gefangen. Die Clowns schaffen es im Spiel, die Türen in diese Welt zu öffnen und die Menschen am sozialen Leben wieder teilhaben zu lassen. Die Künstlerinnen und Künstler sind darin geschult, die häufig subtilen Zeichen der demenzkranken Menschen zu lesen und darauf entsprechend zu reagieren. Persönliche Ansprache und Augenkontakt spielen dabei eine wichtige Rolle.

ROTE NASEN Clowns begegnen den Menschen auf Augenhöhe. Gemeinsam mit ihnen wird gesungen, getanzt und vor allem gelacht. Derzeit kommen 70 ROTE NASEN Clowns regelmäßig in insgesamt 51 Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland und schenken älteren pflegebedürftigen Menschen neue Lebenskraft und Mut.

Weitere Informationen über die Arbeit vom ROTE NASEN Deutschland e.V. erhalten Sie unter: www.rotenasen.de

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