Mit Gefühlen umgehen

Scham und Demenz: 4 Tipps für einen guten Umgang

Scham ist ein schwieriges Thema und eines, über das wir nicht so gern sprechen. Denn, wer sich schämt, der macht sich verletzlich. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen kommen aber immer wieder in Situationen, die beschämen können. Auch ich habe diese Erfahrung gemacht, wie ich im vergangenen Blog-Artikel berichtet habe. Ich habe mich mit diesem Gefühl immer ziemlich alleine gefühlt. Aber an den Reaktionen auf den Beitrag habe ich gemerkt, dass es vielen Angehörigen ähnlich geht. Ich möchte mit euch 4 Tipps teilen, die mir geholfen haben, besser mit der Scham umzugehen. (Diese Tipps kann man auch auf andere Themen anwenden ;-))

Sich innerlich verstecken und schämen:
Wer mehr über Demenz weiß, kann besser bei Unsicherheiten reagieren

Scham ist ein schwieriges Thema und eines, über das wir nicht so gern sprechen. Denn, wer sich schämt, der macht sich verletzlich. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen kommen aber immer wieder in Situationen, die beschämen können. Auch ich habe diese Erfahrung gemacht, wie ich im vergangenen Blog-Artikel berichtet habe. In der neuen Podcast-Folge von „Leben, Lieben, Pflegen – Der Podcast zu Demenz und Familie“ spreche ich mit Anja Kälin von Desideria Care ebenfalls über das Thema. Hier habe ich vier Tipps gesammelt, die euch helfen können, mit der Scham umzugehen:

1. Sich Wissen über die Demenz aneignen

Wirrwarr-Dialoge führen, maßloses Essen, aufbrausendes oder freizügiges Verhalten in der Öffentlichkeit, mit den Händen essen – die Liste an Situationen, die Angehörige als beschämend beschreiben, ließe sich beliebig fortsetzen. Es ist ein Verhalten, das nicht den gewohnten Konventionen entspricht, nicht den ungeschriebenen Regeln, nach denen wir in unserer Gesellschaft leben. Solche Situationen (und noch viel mehr) sind typisch für Menschen mit einer Demenz-Erkrankung. Wer das aber nicht weiß, dem fällt es viel schwerer, damit umzugehen als wenn man über die Krankheit informiert ist.

Mein Tipp: Sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen und Wissen aneignen. Eine Demenz ist mehr als ein Verlust der Erinnerungen, wie viele Menschen meinen. Mit der Krankheit gehen Veränderungen der Wahrnehmung einher, manche Menschen mit Demenz verändern sich sehr stark in ihrer Persönlichkeit. Wer darüber Bescheid weiß, kann das Verhalten in den entsprechenden Situationen einordnen – und besser damit umgehen. Für Angehörige gibt es beispielsweise spezielle Schulungen wie „Hilfe beim Helfen“ (gibt es auch als Seminarreihe für zu Hause) oder „Edukation Demenz“. Ich habe am Angehörigen-Seminar „Hilfe beim Helfen“ der Alzheimer Gesellschaft München teilgenommen und fand die Informationen und vor allem auch den Austausch mit anderen sehr hilfreich.

2. Wissen an andere weitergeben

Beschämende Situationen entstehen, wenn wir oder/und unser Angehöriger mit Demenz auf andere Menschen trifft. Das können die Bedienung im Restaurant sein, der Kollege im Büro oder die Gruppe der Turnfreunde – all die Menschen können wertvolle Unterstützer sein in der Begleitung eines Menschen mit Demenz. Allerdings nur, wenn sie über die Erkrankung Bescheid wissen. Häufig ist dies nicht der Fall – und es kommt zu unangenehmen Situationen für den Menschen mit Demenz und Angehörige. Zum Beispiel: Wenn eine ältere Dame sich im Supermarkt bedient und ohne zu bezahlen geht. Oder ein Herr mit fortgeschrittener Demenz im Hausflur laut schreit. Der Kassierer, die Nachbarn – sind sie unwissend über die Demenz, ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass sie mit Unverständnis reagieren. Sind sie über die Demenz informiert, können sie das Verhalten einordnen.

Mein Tipp: Bekannte und Freunde über die Demenz-Erkrankung und mögliche Eigenheiten des Menschen mit Demenz informieren. Wenn eine Hinlauftendenz besteht, ist es auch hilfreich, das weitere Umfeld zu informieren, etwa die Nachbarn oder den Bäcker am Eck und ihnen die Telefonnummer zu geben. Ich weiß, dass es auch anstrengend ist, mit anderen über die Erkrankung zu sprechen. Wer das nicht möchte oder kann, kann auch auf Bücher, Blogs, Websites verweisen oder auf die Aktion „Demenz-Partner“. In 90-minütigen, kostenlosen Vorträgen erhält man eine sehr gute Einführung in das Thema Demenz.

3. Das Kopfkino ausschalten

„Bei Scham geht es ganz viel um den Abgleich, wie etwas sein soll und wie es tatsächlich ist“, hat Familiencoach Anja Kälin erklärt. Dieser Abgleich findet meist im Kopf statt – und beginnt dort manchmal ein Eigenleben. Fragen wie „Was denken die jetzt wohl?“ oder „Das ging doch sonst immer, was ist denn nun schon wieder los?“ führen zu einer negativen Gedanken- und Gefühlsspirale und Scham.

Mein Tipp: Das Kopfkino ausschalten und in der Wirklichkeit bleiben. Wie reagieren die anderen? Reagieren sie tatsächlich negativ oder findet das nur im Kopf statt? Und: den Fokus auf den Menschen mit Demenz richten, beobachten, was er oder sie kann oder braucht – und sich darauf einlassen. Die Krankheit annehmen, auch mit den Tiefen, denn das ist es, was für den Angehörigen mit Demenz wichtig ist: Menschen, die an seiner Seite sind und ihn annehmen, so wie er ist und ohne Erwartungen.

4. Über die Scham sprechen

Ich habe meine Gedanken und Gefühle über die Alzheimer-Erkrankung meiner Mama lange Zeit für mich behalten und versucht, sie mit mir auszumachen. Darüber zu sprechen, ist mir schwergefallen und hat mich verletzt. Meine Trauer, meine Scham, meine Gefühle und das Gefühls-Chaos wollte ich nicht nach außen tragen, weil ich dachte, dass ich stark sein muss. Aber das hat nur dazu geführt, dass ich sie mit niemanden teilen konnte – und mir auch niemand zur Seite stehen konnte.

Mein Tipp: Mehr Offenheit wagen. Sich einen oder viele Menschen suchen, mit denen man über seine Gefühle sprechen kann. Wer über seine Emotionen und vor allem auch über solche Gefühle wie Scham spricht, macht sich verletzlich. Einerseits. Andererseits ermöglicht es Empathie und Unterstützung. Wenn man darüber spricht, wird es meist schon etwas leichter, weil man nicht mehr alleine ist mit seinen Gefühlen, sondern sie teilen kann.

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