Besser kommunizieren

Familienkonferenz – 5 Tipps, wie sie gelingt

Wenn sich mehrere Familienmitglieder kümmern, ist das eigentlich super. Denn so lassen sich die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen. Aber einfach ist es auch nicht immer… Das kenne ich aus eigener Erfahrung. Jeder möchte für Mama das Beste, aber was genau das Beste ist, da haben wir durchaus unterschiedliche Ansichten – und das führt dann zu Diskussionen. In so einem Fall kann eine Familienkonferenz helfen. Darum geht es in der neuen Folge „Leben, Lieben, Pflegen – Der Podcast zu Demenz und Familie“. Anja und ich sprechen darin mit dem Konfliktcoach und Mediator Martin Schönacher darüber, wie man im Gespräch Konflikte lösen kann. Seine fünf Tipps für ein gutes Gespräch und wie man den Menschen mit Demenz gut einbeziehen kann, lest ihr hier.

Cover Podcastfolge 26 Martin

Wenn verschiedene Meinungen aufeinander treffen

Die aktuelle Podcastfolge von „Leben, Lieben, Pflegen“ dreht sich um das Thema Familienkonferenz. Anja und ich haben dazu einen Gast eingeladen: Martin Schönacher. Er ist Familien- und Konfliktcoach und begleitet und berät bei Desideria Care Angehörige von Menschen mit Demenz (hier geht’s zu Martins Website). Martin kennt sich also ziemlich gut mit dem Thema Demenz und mit Konflikten aus. Als Mediator ist er darin geschult, Menschen zu helfen, im Gespräch zu einer Lösung zu finden.

Er sagt: „Es braucht nicht unbedingt Konflikte. So weit geht es oft gar nicht, dass Angehörige streiten. Aber Pflegen fordert die Familien in besonderem Maße, weil Entscheidungen getroffen werden müssen.“ Meist liege es daran, dass die Menschen einfach unterschiedlich seien und verschiedene Erfahrungen in ihrem Leben gemacht haben.

Selbst wenn jeder nur das Beste möchte, so treffen doch oft verschiedene Meinungen aufeinander. „Es sind verschiedene Ausgangspunkte, einer ist vielleicht anpackender und möchte Dinge gestalten, der andere lässt Dinge laufen und vertraut darauf, dass es sich ordnet“, erklärt Martin.

Familienkonferenz – Wie alle einbeziehen?

Wenn größere Entscheidungen anstehen, versuchen wir uns auch zu treffen und zu besprechen. Anfangs war Mama natürlich immer dabei, mittlerweile nicht mehr. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es für sie sehr anstrengend ist. Wie kann man dafür sorgen, dass Mamas Meinung dennoch gehört wird?

Das ist Martins Tipp: „Wenn der Angehörige mit Demenz nicht dabei sein kann, dann finde ich es eine sehr schöne Idee, einen Platzhalter aufzustellen. Das kann ein leerer Stuhl mit einem Namensschild sein, darauf steht etwa Papa oder Paul, so wie er von den Familienmitgliedern genannt wird. So hat man ihn/sie auch optisch im Raum. Man sollte die Person im Gespräch nicht vergessen. Sie ist Teil der Familie und ihre Meinung ist wichtig.“

Er rät dazu, zu Beginn alle Themen zu sameln – und dann zu entscheiden, welche man bespricht.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir Martins Satz: „Klarheit schafft Frieden.“ Er erklärt: „So ein Gespräch hat eine innerliche Haltung und die heißt: Klarheit schafft Frieden. Heißt: Wir versuchen offen und ehrlich zu reden.“ Besser sei es, schwierige Themen anzusprechen, statt sie unter den Teppich zu kehren, weil die Themen sonst unterschwellig immer dabei seien.

5 Tipps für ein gutes Gespräch

Damit eine Familienkonferenz gelingen kann, kann man schon in der Vorbereitung einiges tun. Worauf man dabei achten kann, erklärt Martin Schönacher in der Podcastfolge. Diese fünf Punkte sind dabei hilfreich:

1. Einen gemeinsamen Gesprächstermin vereinbaren

  • Wer soll am Gespräch teilnehmen?
  • Möchte und kann der Angehörige mit Demenz einbezogen werden? Wie wird sichergestellt, dass seine Meinung gehört wird, wenn er nicht dabei ist?
  • Legen Sie fest, wie lange das Gespräch dauern soll.
  • Ideal ist ein neutraler Raum

2. Störungen vermeiden

  • Ist das Handy aus?
  • Sind die Kinder versorgt?

3. Eine gute Atmosphäre gestalten

  • Wo und wie sitzen wir?
  • Passen Nähe und Distanz?
  • Stehen Getränke bereit?
  • Sind Zettel und Stifte vorbereitet?

4. Gesprächsregeln vereinbaren

  • Ich lasse den anderen ausreden und falle nicht ins Wort.
  • Falls es mal durcheinander geht: Eine Stoppuhr hilft, dass jeder die gleiche Zeit zum Reden bekommt. Alternativ kann ein „Redekugelschreiber“ genutzt werden. Es spricht nur derjenige, der den Gegenstand in der Hand hält. Einwände werden notiert und dann besprochen, wenn die Person fertig ist mit dem Reden.
  • Ich spreche in Ich-Botschaften: Ich formuliere meine Wünsche, nicht meine Vorwürfe.
  • Ich bin für mich selbst verantwortlich, das heißt, ich melde meine Bedürfnisse an und benenne Irritationen.
  • Ich arbeite an meiner inneren Bereitschaft und lasse mich auf die Perspektive des anderen ein.

5. Das gemeinsame Ziel festlegen

  • Worum geht es eigentlich?
  • Was ist das höhere Ziel?
  • Welche Themen gibt es? Welche Themen sollen jetzt besprochen werden?
  • Einigt euch auf das Hauptthema und haltet es schriftlich fest. Ihr könnt es auch aufhängen, damit es immer klar sichtbar ist.

Alle fünf Punkte findet ihr auch noch mal in einem Worksheet, das ihr hier herunterladen könnt.

Podcast „Leben, Lieben, Pflegen“: Die Familienkonferenz

In dieser Folge sprechen Coach Anja Kälin und Bloggerin Peggy Elfmann über das Thema Familienkonferenz. MIt ihrem Gast Martin Schönacher – er ist Coach, Mediator und Angehöriger – erklären sie, so eine Familienkonferenz abläuft, wie man sie vorbereitet und wie der Angehörige mit Demenz einbezogen werden kann, selbst wenn er/sie nicht dabei ist.

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