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Weihnachten ohne dich mit dir

Ich erlebe diese anstehenden Feiertage mit sehr gemischten Gefühlen. Ich freue mich, ein paar Tage in Ruhe und mit den Kindern bei Papa zu sein. Und doch bin ich auch traurig. Mir fehlt Mama seit ein paar Wochen sehr. Und ich vermisse Papa, der sich sehr zurückzieht.

Seit Jahren finde ich den Dezember schwer. In diesem Jahr besonders. Einerseits ist er voller Emsigkeit mit all den Treffen und Verpflichtungen der Kinder für die Schulen, mit meiner Arbeit, die ich noch erledigen möchte und muss. Da sind Textdeadlines und neue Texte, die schon anstehen und ich mal in die Recherche gehen sollte. Ein paar schöne Projekte sind fertig geworden, etwa die Podcastfolge mit Sarah Straub oder der Online-Kurs zum Pflegen aus der Ferne für das Pflege-ABC und ich bin stolz darauf.

Aber je näher die Feiertage rückten, umso mehr habe ich gespürt, dass auch mein Unbehagen wuchs. Mich macht es traurig, an Weihnachten zu denken, weil Mama dann so sehr fehlt. Bald werden es zwei Jahre, dass sie gestorben ist, aber gerade jetzt vermisse ich sie besonders.

Ach, Mama, Weihnachten ohne dich mit dir

Ach, Mama, es ist ein Weihnachten ohne dich mit dir. Ich erinnere mich dann an früher und wie du unser Haus dekoriert hast, mit dem großen selbst gebundenen Kranz im Flur, mit den Tannenzweigen und Lichterbogen im Wohnzimmerfenster und der Weihnachtspyramide, von der du immer erzählt hast, wie wir beide sie gekauft haben. Du schobst mich im Kinderwagen zu dem Spezialgeschäft, lange warteten wir davor und du musstest in der Schlange anstehen, um die Pyramide für Papa zu kaufen. Jedes Jahr habt ihr diese Geschichte erzählt. In diesem Jahr kannst du sie schon wieder nicht erzählen. Natürich, es ist Jahre her, dass du sie sagtest, aber es ist gar nicht so lange her – es fühlt sich an wie gestern – dass du neben mir sahst, im Lichterschein der Kerzen und leise gesummt hast. Du warst da, auch wenn die Alzheimerkrankheit dich schon oft in eine andere Welt getragen hatte.

Nun werde ich also durch unser Haus gehen. Es wird nicht ungeschmückt sein, da bin ich mir sicher. Da sind so viele Menschen, die Papa eine heimelige Umgebung bereiten. Dafür sorgen, dass er einen Adventskranz hat, dass die Pyramide steht, dass er Weihnachtsplätzchen und Stollen hat, also eine weihnachtliche Stimmung eingezogen ist. Mama wird in diesen Tagen sehr präsent sein und auch, dass sie nicht mehr da ist.

Ach, Papa, Weihnachten mit dir ohne dich

Ich bin nicht nur traurig, weil Mama nicht da ist, sondern auch wegen Papa. Es fühlt sich falsch an, das zu schreiben, denn natürlich ist er da.

Ach, Papa, es ist ein Weihnachten mit dir ohne dich. Du freust dich auf uns, seit Tagen erzählst du mir das am Telefon. Und doch merke ich natürlich, dass es schon längst anders ist. Du ziehst dich zurück und rufst kaum noch an. Bist sehr mit dir beschäftigt, fragst nie mehr nach mir. Die Gespräche, die wir mal führen konnten, sind so längst nich mehr möglich. Die Weihnachtsplanungen haben wir längst übernommen. Viele Dinge, die du wie selbstverständlich konntest und getan hast, sind so nicht mehr. Und dies zu akzeptieren, das fällt mir schwer. Neulich bei einem Telefonat, als ich meinte, dass du dir bitte aufschreiben sollst, wann ich komme, sagtest du: „Ich vergesse euch schon nicht.“ Ich würde dir das so gerne glauben, aber oft fühlt es sich schon so an, als würdest du mich vergessen.

Diese wundersame Trauer mit der Demenz kennen viele Angehörige, das hat mir Trauerbegleiterin Anja Schmidt-Ott ja in einer Podcastfolge erzählt. Und an einen ihrer Sätze möchte ich in den nächsten Tagen besonders oft denken: „Trauern bedeutet ja, jemanden zu lieben. Wenn wir die Trauer nicht zulassen und wegdrücken, dann drücken wir auch ein Stück unserer Liebe weg.“

Vielleicht gehört es einfach dazu, dass ich traurig bin, weil es nun mal traurig ist. Ich möchte mein Herz nicht verschließen, sondern es öffnen, für das was ist und das, was kommen darf. Und wer weiß, vielleicht wird es ja auch gut.

In „Mamas Alzheimer und wir“ habe ich geschrieben:

Es ist nicht das Ende.
Es wird nur anders.
Es ist das Leben.


Ich wünsche euch gute Weihnachten und entspannte Feiertage!
Passt gut auf euch auf!
Eure Peggy


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