Vor wenigen Tagen fand das 2. Demenz Meet München statt und ich denke sehr gerne daran zurück. Ein Beitrag, der mich sehr zum Nachdenken gebracht hat, handelte von drei kleinen Wörtern: „nicht mehr“ und „noch“. Eine Angehörige – Elke Schroeder – hat davon erzählt und wie ihr der Verzicht auf diese Wörter hilft, besser mit der Demenz ihres Mannes umzugehen.
Vor wenigen Tagen fand in München das zweite Demenz Meet statt. Es war ein Tag, der mich sehr berührt hat. Das Motto des Tages war ja: Einfach machen. Geschichten vom Ausprobieren, Scheitern und Gelingen. Menschen mit Demenz, Angehörige und Fachkräfte haben von ihren Erfahrungen berichtet. Es war ein besonderer Ort des Austausches, viel Nähe und Wohlwollen schwang mit – und das bei einer Gruppe von 170 Menschen. Hier findet ihr einen kleinen Rückblick.
Besonders zum Nachdenken gebracht hat mich der Beitrag von Elke Schroeder. Ihr Mann lebt seit sieben Jahren mit der Diagnose Alzheimer. Sie hat von den Veränderungen gesprochen, die für sie im Alltag damit einhergehen. Vor allem aber hat sie über drei kleine Wörter gesprochen. Drei Wörter, die eigentlich winzig klein sind, aber doch eine große Wirkung haben können. Es geht um „nicht mehr“ und „noch“.
Die Liste an „nicht mehr“-Dingen ist lang
Es sind Wörter, die wir tagtäglich benutzen – vor allem auch im Zusammenhang mit Demenz. Ich erinnere mich, wie ich darüber sprach, was bei Mama „nicht mehr“ ging. Wie ich bei so vielen Besuchen feststellte, was „nicht mehr“ klappte. Mit einer Demenz gehen viele kleine Abschiede einher. Dinge, die einfach immer da waren, die ich nie in Zweifel gezogen hatte, funktionierten irgendwann nicht mehr. Egal, ob das Lesen, das Schreiben, das Treppengehen, das Anziehen, das Essen, das Gehen, … ach, die Liste ist schier unendlich lang. Es bringt wenig, das aufzuzählen, weil das Aufzählen nur traurig machen würde.
Und genau darum ging es Elke Schroeder auch, als sie davon erzählte, dass sie mittlerweile konsequent auf dieses „nicht mehr“ verzichtet. Das helfe ihr, besser mit der Demenzerkrankung ihres Mannes umzugehen, denn es lenkt den Blick weniger auf den Verlust, der doch augenscheinlich immer dabei ist. Statt einem „nicht mehr“ sagt sie einfach „nicht“. Denn es zähle der Moment. Die wehmütige Erinnerung an das, was war, helfe weder ihr noch ihrem Mann.
Eine der häufigsten Fragen: Wohnt sie noch zuhause?
Auch das Wort „noch“ sei so ähnlich. Denn wenn man es verwende, klinge immer mit, dass der Verlust oder Abschied stattfinden werde. Das kann ich ebenfalls gut nachvollziehen. Ich erinnere mich an Fragen von anderen, am häufigsten kam wohl die Frage, ob Mama „noch“ zuhause wohne oder im Pflegeheim.
Mir fiel die Antwort darauf oft schwer, auch weil da immer mitklang, dass sie bald umziehen müsste (was sie ja erst in den letzten Wochen tat). Dieses „noch“ ließ mich immer auch ein wenig Zweifeln und zugleich beschwor es das schwierige Thema Pflegeheim und damit einen viel größeren Abschied herauf.
Was machen die Worte „nicht mehr“ und „noch“ wohl mit einer Person mit Demenz?
Auf dem Demenz Meet sprach Elke Schroeder nur kurz, aber für mich ist es ein Beitrag, der mich nachdenklich macht. Wörter haben eine Wirkung, das weiß ich als Journalistin sehr genau. Aber oftmals gehe ich, wie vermutlich die meisten von uns, nicht sensibel damit um.
Ich habe hier auf dem Blog schon mal über das „Kämpfen und Frieden schließen“ geschrieben. Und die Frage, die mich da auch beschäftigt hat: Was machen diese Wörter mit uns? Was machen sie mit den Angehörigen mit Demenz? Was hat meine Mama wohl gehört und gespürt, wenn ich erzählte, dass etwas „nicht mehr“ klappt?
Der Verlust, der Abschied, sie kommen so oder so, und sie sind schwer. Aber vielleicht können wir das, was ist und gerade das, was wir miteinander noch haben, ein wenig besser erleben und besser damit umgehen, wenn wir die Dinge annehmen und im Moment leben. Weniger nach hinten schauen, zu dem was „nicht mehr“ klappt und weniger nach vorne schauen, zu dem was „noch“ klappt. Wenn wir diese Begriffe viel bewusster einsetzen, falls überhaupt.
Elke Schroeder sagte zum Schluss ins Publikum: „Probieren Sie es mal aus.“ Probiert es gerne mal aus – und kommentiert gerne, wie es euch damit geht.
