Vergangene Woche war ich unterwegs für zwei Lesungen aus meinem Buch „Meine Eltern werden alt“. Für mich sind Lesungen immer besonders, auch wegen der Gespräche im Anschluss. So war es auch bei diesen Lesungen. Und ein Satz, der hängen geblieten ist, lautet: „Selbstfürsorge ist kein Egoismus“
In der vergangenen Woche war ich auf Mini-Lesereise mit „Meine Eltern werden alt“ im Norden, in Reinbek und in Langenhagen. Für mich sind Lesungen immer besonders und aufregend. Ich wähle vorab die Texte aus dem Buch aus, überlege mir, welche gut zum Publikum passen könnten und was ich mitgeben kann. Ich wusste, dass vermutlich viele Menschen kommen, die sich gerade irgendwie mit dem Thema Pflege beschäftigen, vielleicht auch mit dem Thema Demenz.
Es ist meist eine Mischung aus Themen: Ich habe vorgelesen, wie man mit den Eltern überhaupt ins Gespräch kommt und davon erzählt, dass ich erst lernen musste, dass überreden nicht funktioniert und es Zeit und viel Offenheit braucht, um diese Gespräche zu führen. Ich habe von den Banden vorgelesen, die pflegende Angehörige brauchen (also von den Pflegenetzwerken), aber auch von schönen Dingen, die man trotz und mit Demenz oder Pflege miteinander unternehmen kann. Und natürlich ging es auch um das um das Selbstverständnis und die Rolle als Pflegende und das Thema Selbstfürsorge.
Nach jeder Lesung gibt es die Möglichkeit, Fragen zu stellen und von eigenen Themen zu berichten – und es ist immer sehr verschieden, was dabei entsteht und wie intensiv der Austausch ist. Hängt es doch davon ab, wer anwesend ist und welche Fragen und Bedürfnisse die Menschen so mitbringen.
Von Pflegenetzwerken und Pflegeberatung
Manche Fragen kann ich gut beantworten, mit anderen Themen können die Veranstaltenden weiter helfen. Bei der Frage etwa, wie das denn nun ginge, solche eine Bande, solch ein Pflegenetzwerk aufzubauen, konnte ich von unserem Weg erzählen, wohlwissend, dass jede Pflegesituation verschieden ist und es immer individuelel Lösungen braucht. So gut, dass die Leiterin der Beratungsstelle anwesend war und Informationen über Pflegeberatung gegeben hat.
Ich glaube, man kann Pflegeberatung nicht oft genug erwähnen, denn dort kann man sich individuell beraten lassen und Antworten auf viele Fragen finden. Und doch weiß ich, wie schwer es ist, sich Hilfe zu holen und diese Pflegeberatung zu nutzen. Es braucht Mut, diese Schwelle zu übertreten – und tut doch so gut. Es gibt verschiedene Anlaufstellen: in vielen Regionen gibt es Pflegestützpunkte – sie sind gut vernetzt und können zu Angeboten vor Ort beraten. In der Datenbank des Zentrums für Qualität in der Pflege könnt ihr bundesweit nach Beratungsangeboten zur Pflege suchen.
Selbstfürsorge und Abgrenzung
Über Selbstfürsorge zu sprechen finde ich ehrlich gesagt immer am schwierigsten. Denn einerseits ist sie so wichtig, vielleicht sogar das Fundament, um sich gut kümmern zu können. Andererseits ist irgendwie nie genug Zeit dafür da. Kennt ihr das Gefühl?
Das habe ich im Buch dazu geschrieben:
Nach beiden Lesungen haben wir viel darüber gesprochen, wie wir als Angehörige diese Unterstützung und Pflege hinbekommen und wie schwer es im Alltag ist. Und ich glaube, das liegt auch daran, dass wir denken und ja auch immer suggeriert wird, dieses bisschen Kümmern könnte man so nebenbei erledigen.
„Wie kriegen Sie das so gut hin?“, fragte mich eine Dame aus dem Publikum. Und ich sagte: „Oft gar nicht.“ Gerade in den vergangenen Wochen hat es sich angefühlt, als ob es viel zu viele Aufgaben und To-Dos sind und es einfach nie genug ist, was ich tue, selbst wenn ich den ganzen Tag damit beschäftigt bin. Ich mache mir Sorgen, schlafe schlecht und trage ein schlechtes Gewissen mit mir herum, das ich doch schon mal verabschiedet hatte.
In diesen Gesprächen hörte ich bei vielen aus dem Publikum genau dieses Hamsterrad heraus. Und dann fiel der Satz: „Selbstfürsorge ist kein Egoismus.“ Die Dame wiederholte ihn noch zweimal, ganz langsam, so als wollte sie, dass jeder im Raum ihn nicht nur einmal hört, sondern wirklich versteht und annehmen kann. Bei. mir wirkt dieser Satz immer noch nach. Vielleicht, weil ich das auch mal wieder hören musste. In jedem Fall möchte ich ihn mit euch teilen: „Selbstfürsorge ist kein Egoismus.“
Was ist Selbstfürsorge überhaupt? Vielleicht gar nicht (nur) das Schaumbad und die Wellness-Auszeit, sondern was anderes. Fängt es nicht mit Abgrenzung an und dem Bewusstwerden über die eigene Rolle und die damit verbundenen Möglichkeiten und Limitationen?
Wie geht es dir mit dem Thema? Was ist für dich Selbstfürsorge?
