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Liebe Mama, was möchtest du ins Heim mitnehmen?

Manchmal kommen die Veränderungen schneller als geplant. Obwohl, vermutlich ist das ja oft so… Mama ist im Krankenhaus und wir haben nach Rücksprache mit allen die Entscheidung getroffen, dass sie (erstmal) in ein Pflegeheim zieht. Eine schwere, traurige Entscheidung, aber ich hoffe, dass es für sie das Beste ist. Ich weiß es nicht… Und nun packe ich für Mamam und überlege, was ich alles von zu Hause mitnehmen soll. Ein neuer Brief an Mama: Liebe Mama, was möchtest du ins Heim mitnehmen?

Vor vielen Jahren selbst gebastelt, ich hoffe, es schenkt dir das Gefühl von Zuhause

Liebe Mama, was möchtest du ins Heim mitnehmen?

Vor ein paar Tagen noch habe ich den Ratgeber „Entscheidung Pflegeheim“ auf meinen Schreibtisch nach hinten geschoben. Den schaue ich mir bei Gelegenheit genauer an und dann planen wir weiter, dachte ich. Und dann nahm das Leben einen anderen Lauf als den, den wir geplant hatten.

Nun bist du schon seit einer guten Woche im Krankenhaus und Gott sei dank ist nichts Ernsthaftes passiert. Vielleicht ein Demenz-Schub, meinte die Ärztin. Vielleicht auch einfach der ganz normale Verlauf mit Alzheimer. Aber plötzlich wurde allen klar, dass es so daheim nicht mehr geht. Und das Team im Krankenhaus hat klare Worte mit uns geredet. Papa schafft das nicht mehr und das liegt nicht an ihm, sondern weil das ein Mensch alleine nicht mehr alleine schaffen kann. Der Sozialdienst hat dir einen Platz für die Kurzzeitpflege organisiert – und den haben wir nun zugesagt.

Vergangenes Jahr warst du schon mal in der Kurzzeitpflege, aber damals war es anders. Allen war klar, dass du nach den zehn Tagen wieder nach Hause kommst. Das ist dieses Mal anders. Du hast in den vergangenen Monaten so stark abgebaut, brauchst so viel Unterstützung bei allem. Das geht so nicht mehr zu Hause.

Ich hatte gehofft, dass wir den Platz im Heim bekommen würden und als die Zusage kam, kamen Sorgen und Fragen. Würde es nicht doch irgendwie anders gehen? Bist du enttäuscht, dass ich die Pflege jetzt nicht Vollzeit übernehme? Doch wie sollte das funktionieren? Ich bin mir ziemlich sicher, dass du die Situation pragmatisch sehen würdest und mir dein Einverständnis für das Pflegeheim geben würdest. Und doch ist es schwer und ich habe ein schlechtes Gewissen (auch wenn ich das eigentlich nicht mehr haben wollte).

In all dem Fühlen und Loslassen packe ich deine Sachen. Beim Gespräch erklärte die Leiterin, was wir alles mitbringen sollten (Vorsorgevollmacht, Personalausweis, Impfausweis etc.) Klar, Kleidung ebenfalls. Und sie sagte, dass wir natürlich auch Deko, Bilder und andere Gegenstände mitbringen dürfen, die das Zimmer zu deinem Zimmer machen.

Liebe Mama, was würdest du denn gerne mitnehmen ins Heim? Fotos von dir und Papa habe ich schon eingepackt, auch deine orange Kuscheldecke. Dann stand ich im Wohnzimmer und habe um mich geblickt. Ich möchte gar nicht so viel mitgeben, lieber einzelne wichtige Dinge. Dinge, die du schon lange kennst. Dann fiel mein Blick auf die Baumbilder, die du vor vielen Jahren gewebt hast.

Eine Bekannte hat mir den Tipp gegeben, Bilder zu beschriften, damit die Betreuerinnen im Heim auch wissen, wer da auf den Fotos ist (hier findet ihr eine ganze Liste „55 Ideen fürs Pflegeheim: Was sollte mit?“). Und so habe ich ein Baumbild von der Wand genommen und werde es beschriften: „Von Kerstin selbst gebastelt“.

Ach, Mama, ich stehe hier in deinem Haus und frage mich, wie du dich woanders zuhause fühlen kannst. Was möchtest du gerne bei dir haben? Was ist dir wichtig?

Brauchst du bestimmte Dinge und falls Ja, welche oder brauchst du dort nicht vor allem eine liebevolle Betreuung und Pflege?

Da sind so viele Fragen in meinem Kopf – und ich wünschte, ich müsste nicht diesen Brief hier schreiben, sondern könnte mit dir reden und du würdest mir antworten.

Deine Zimmernachbarin im Krankenhaus sagte einen Satz zu Papa, der in mir noch nachhallt: „Liebe allein reicht nicht. Ihre Frau braucht gute Pflege.“

Ich wünsche dir, dass wir dir das dort ermöglichen. Und nun packe ich weiter und versuche das schlechte Gewissen nicht mitzugeben.

Deine Peggy

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