Kinderbücher

Kinderbücher über Demenz: Was lernen Kinder dadurch?

In der aktuellen Podcastfolge haben Anja und ich darüber gesprochen, wie Kinder mit der Demenzerkrankung eines Familienangehörigen umgehen. Mittlerweile gibt es jede Menge Kinderbücher über Demenz. Für wen sind sie geeignet? Was lernen Kinder dadurch? In diesem Blog-Artikel erkläre ich euch 4 wichtige Dinge, die Kinder dadurch erfahren. Und ihr bekommt eine Kinderbuch-Empfehlungsliste, die zur Podcastfolge erschienen ist.

Peggy Kinderbuecher Demenz

Kinderbücher können Demenz erklären

Je mehr ich mich mit dem Thema Demenz beschäftige, umso mehr Kinderbücher entdecke ich auch. Das finde ich ganz großartig. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Kinder viele Fragen rund um das Thema Demenz haben – und dass es einem als Eltern nicht immer gelingt, diese zu beantworten. Bücher können dabei helfen, indem sie kindgerecht erklären, wie eine Demenz entsteht oder warum Menschen mit Demenz Lücken in der Erinnerung haben oder sich anders verhalten.

Eine eindrückliche Erkärung für Demenz haben wir in „Als Opapi das Denken vergaß“ gefunden: Da erklärt die Autorn die Demenz als schwarze Farbe, die alles übermalt, was der Opa an Erinnerungen hat. Das verstehen Kinder gut, denn wer mal mit schwarzer Farbe über sein Bild gemalt hat, weiß sehr genau, dass da nichts mehr zu sehen ist, außer schwarz.

In „Opa Rainer weiß nicht mehr“ zählt die kleine Mia auf, was ihr Opa alles nicht mehr kann. Es sind ganz unterschiedliche Sachen dabei, so etwas wie einen Schuh anziehen, aber auch ein Ei mit einem Löffel essen oder den Stecker vom Wasserkocher in die Steckdose stecken. Das fand ich toll, denn eine Demenz ist mehr als ein Gedächtnisverlust. Nach und nach verlernen die Betroffenen immer mehr Fähigkeiten und Fertigkeiten. Auch mir war dies lange nicht bewusst. Nicht nur meine Kinder, sondern auch ich haben durch das Buch mehr über Demenz gelernt.

Kinderbücher machen Mut

Meine Töchter denken nicht gerne an Krankheiten oder sie sprechen auch nicht gerne darüber. Die Alzheimer-Erkrankung meiner Mama ist für sie mittlerweile ganz normal. Ihnen fällt es leicht, für die Oma da zu sein und ihr zu helfen, mit ihrer Krankheit hingegen beschäftigen sie sich kaum. Denn sie wissen, dass die Oma immer mehr verlernen wird – und das ist einfach traurig.

Kinderbücher, die praktische Tipps und Ideen enthalten, was man mit oder für die Oma machen kann, kommen sehr gut an. Sie stärken meine Kinder und machen ihnen auch Mut. In dem Pixi-Büchlein „Lilli und ihre vergessliche Oma“ etwa bringen Lilli und ihre Eltern Schilder an den Türen an, damit die Oma etwas findet. In „Omas Rumpelkammer“ kauft die Oma ein rotes Notizheft, um wichtige Dinge zu notieren. In dem Büchlein „Mein Opa sitzt in einem Zeitreisemobil“ lernen Kinder, dass sie ihrem Opa oder ihrer Oma mit Reimen, Liedern und Gedichten aus deren Kindheit oft eine Freude machen können.

Egal ob für meine Kleine oder die Große: am besten kommen immer die Momente an, in denen EnkelIn und Opa/Oma gemeinsam Zeit miteinander verbringen. Sie gehen zusammen spazieren, puzzlen oder quaken mit den Enten um die Wette. Es sind innige, fröhliche, lustige Momente und es macht (nicht nur) meinen Kindern Mut davon zu lesen. Denn auch mit der Demenz gibt es immer noch schöne Momente, das gerät im Alltagsstress oft leicht außer Sicht.

Kinderbücher regen Gespräche über Demenz an

Man findet auch tolle Bücher, die das Thema Demenz von einer anderen Perspektive betrachten. „Gestatten, ich bin Besuchshund Max!“ ist so ein Buch. Ein Hund erzählt von einem Seniorenheim und den Menschen mit Demez aus seiner Sicht. Bei meinen Töchtern kam dieses Buch wahnsinnig gut an – und wir sprachen danach sehr viel über Tiere und ihre Wirkung auf Menschen mit Demenz.

Auch „Pauli muss ins Altersheim“ lieferte uns viel Gesprächsstoff. Pauli besucht seinen Opa im Altersheim und mag dies zunächst gar nicht. Durch seine neue Freundin Lila, die dort täglich gerne hinkommt, ändert sich dies aber. Für meine Töchter war so etwas wie ein Pflegeheim vorher noch kein Thema, aber das Buch war der Beginn, dass ich mit ihnen darüber gesprochen habe und wir uns ausgetauscht haben.

Ich habe mit meinen Töchtern auch gerne „Mein Andersopa“ gelesen. Darin geht es zum einen um die Veränderungen durch die Demenz. Aber statt das nur als negativ zu bewerten, wie wir Erwachsenen das häufig tun, wenn wir die Defizite aufführen, so sagt die kleine Nele ganz selbstbewusst, dass sie zwei Opas hat: den von früher und den Andersopa. Für mich war das ein gute und wichtige Erinnerung, weniger wertend zu beobachten. Weniger darauf zu achten, was meine Mama alles nicht mehr kann. Und wenn etwas nicht mehr klappt, das nicht zu bewerten, sondern anzunehmen und zu suchen, was noch geht.

Kinderbücher über Demenz machen einfach Spaß vorzulesen

Ja, Kinderbücher über Demenz behandeln ein bestimmtes Thema – und häufig haben Eltern durch das Vorlesen den Wunsch, Dinge zu erklären oder zu besprechen. Aber: Es sind auch einfach tolle Kinderbücher, die Spaß machen zu lesen. Es gibt wahnsinnig kreative Bücher mit tollen Illustrationen dabei wie „Auf meinem Rücken wächst ein Garten“ oder „Meine Omi, die Wörter und ich“ . Es sind lustige Bilderbücher dabei wie „Oma isst Zement“ und Geschichten, die ans Herz gehen wie „Als Oma immer kleiner wurde“.

Davon mal abgesehen hat das Vorlesen für jedes Alter jede Menge positiver Effekte. Die Stiftung Lesen stellt dazu regelmäßig ihre Vorlesestudien vor. Untersuchungen haben herausgefunden, dass Vorlesen die sprachliche und persönliche Entwicklung von Kindern fördert wie auch die sozialen Kompetenzen und die Lesemotivation. 91 Prozent der Kinder in Deutschland lieben es, wenn ihnen vorgelesen wird und wünschen sich, dass dies noch viel öfter geschieht. Warum also nicht auch ein Bilderbuch oder einen Kinderroman über Demenz vorlesen?

Das richtige Buch für welches Alter?

Auf meiner Seite „Kinderbücher“ stelle ich verschiedene Bilderbücher und Kinderromane vor. Dort findet ihr auch jeweils die Altersangaben. Generell machen auch die Verlage eine Empfehlung für das Lesealter. Das ist für mich nur ein erster Hinweis, denn Kinder sind ja auch sehr individuell und das zeigt sich auch beim Leseverhalten. Meine Achtjährige etwa mag auch sehr gerne Bilderbücher, wie aktuell „Oma Luise und die Schmetterlinge“(dieses ist für Kinder ab vier Jahren geeignet).

Eine kleine Vorauswahl habe ich mit dem Podcast-Team von „Leben, Lieben, Pflegen“ gemacht. Wir haben eine Buch-Empfehlungsliste zusammengestellt. Hier könnt ihr sie gratis herunterladen.

Und für alle, die jetzt Lust bekommen haben auf das Lesen: auf der Instagram-Podcast-Seite läuft aktuell ein Gewinnspiel: Dort könnt ihr eines von vier Kinderbüchern gewinnen. Hüpft doch mal rüber, wenn ihr mitmachen wollt.

Viel Spaß beim Vorlesen!

Schreibt mir doch mal, was eure Erfahrungen mit Kinderbüchern rund um das Thema Demenz sind. Ich freue mich, von euch zu hören. Und ganz besonders auch über neue Bücher, die ich noch nicht kenne. Künftig werden wieder mehr Buch-Rezensionen erscheinen, das darf ich schon mal verraten.

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Stimmt ab für „Leben, Lieben, Pflegen“ beim Deutschen Podcast Preis

Der Podcast „Leben, Lieben, Pflegen“ ist für den Deutschen Podcast Preis nominiert. Beim Publikumsvoting könnt ihr mitmachen und wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn ihr uns durch eure Stimme unterstützt. Unter diesem Link könnt ihr bis zum 18. April abstimmen. Vielen lieben Dank!

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