"Liebe Mama..."

Liebe Mama, freust du dich wieder auf die Tagespflege?

Monatelang herrschte bei meinen Eltern Ausnahmezustand. Aufgrund der Corona-Pandemie schloss Mamas Tagespflege. Eine Notbetreuung gab es nicht, und ich glaube auch, dass sie sie nicht in Anspruch genommen hätte. Papa hat sich in den vergangenen Wochen rund um die Uhr um Mama gekümmert. Das hat er aus vollem Herzen gerne getan, war aber auch ein Kraftakt. Nun öffnet die Tagespflege und Mama darf wieder gehen. Nicht nur meinem Papa, auch mir ist etwas mulmig dabei. Wird Mama sich wieder gut eingewöhnen? Wird es schwierig? Oder freut sie sich vielleicht darauf?

BäumeWeg

Liebe Mama,

freust du dich auf die Tagespflege?

Seit Mitte März bist du nun zu Hause. Denn mit der Corona-Krise haben nicht nur Kindergärten und Schulen, sondern auch Tagesbetreuungen, etwa für Menschen mit Demenz geschlossen. Seit bald drei Jahren gehst du zweimal die Woche für ein paar Stunden in eine Betreuungseinrichtung. Doch damit war im März Schluss. „Jetzt bleibt die Mutti zu Hause“, sagte Papa – und er klang ganz unbeschwert.

Zuerst war ich vor allem froh. Denn die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus stieg rasant, und ich hatte Angst, du oder Papa könntet euch anstecken. Die Tagesbetreuung mit den anderen Tagesgästen und Pflegern und Betreuern wäre ein Ort gewesen, an dem du dich hättest infizieren können. Nicht mehr hinzugehen, minimierte das Infektionsrisiko.

Zum Glück wart ihr zusammen in dieser Corona-Krise

Für dich war es keine große Umstellung, für Papa hingegen schon. Ich stelle mir das ehrlich gesagt so ähnlich vor, wie mit meinen Kindern. Mit einem Schlag waren sie alle zu Hause – mit der Herausforderung, dass ihre Schulaufgaben so weitergingen wie vorher und meine Aufgaben im Beruf auch. Meine Kleinste genoss es, die ganze Zeit zu Hause zu sein – und nach Lust und Laune im Nachthemd spielen zu können und ihre Eltern um sich zu haben.

Ja, das war schön. Aber plötzlich war da keine Zeit mehr zum Durchatmen und zum Pause machen. Einkaufen, Kochen, Aufräumen, Arbeiten, bei den Schulaufgaben helfen, Spielen – so sahen die Tage mit den Kindern aus. Nun musstest weder du noch Papa Aufgaben erledigen, aber Zeit zum Durchatmen und zum Pause machen hatte er auch keine.

Ich bin mir sicher, dass ihr beide es anfangs genossen habt. Und ich bin so froh, dass ihr zusammen sein konntet und nicht wie andere Paare, wo der eine in einem Seniorenheim lebt und der andere nicht, getrennt wurdet. Denn in fast allen Alten- und Pflegeheimen galt ein Besuchsverbot. Ich möchte mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie es für dich ohne Papa wäre. Er ist dein Anker im Alltag. Du orientierst dich an ihm, er bringt dich zum Lachen und gibt dir all das, was du brauchst: er hilft dir beim Essen, beim Trinken und Anziehen – und kümmert sich rührend.

Dauerbelastung für pflegende Angehörige

Aber ich habe auch gemerkt, wie anstrengend es für Papa war. Nie eine Pause zu machen. Immer aufmerksam zu sein, immer für dich da zu sein. „Naja, es geht schon“, sagte Papa in seiner bescheidenen Art. Aber das hieß auch: Es ist schon anstrengend. Ich fragte in der Tagespflege, aber die sagten, dass sie leider wirklich gar nichts machen dürfen und auch keine Kapazitäten hätten, dass eine Pflegerin mal zu dir kommt und Papa eine kleine Auszeit bekommt. Ich rief einen Pflegedienst an. „Momentan geht gar nichts, das ist überall so“, sagten die.

Und dann machte ich mir Sorgen. Vor allem um Papa, aber auch um dich. Du genießt mittlerweile sehr die Ruhe, aber ein bisschen Anregung und Abwechslung würden dir vielleicht auch guttun, dachte ich. Ich machte mir Gedanken, wie ich dir in dieser Corona-Krise nahe sein könnte. Ich schickte euch viele Fotos und auch Videos. Aber du kannst sie nicht mehr anschauen. Ich rief mit den Kindern häufiger an, und wir versuchten, euch auf diesem Wege ein wenig abzulenken. Die Kinder bastelten und malten Karten, eine Möglichkeit, Kontakt zu halten und euch Abwechslung zu schicken.

Wenn ich etwas aus dem Angehörigen-Seminar „Hilfe beim Helfen“ der Münchner Alzheimer Gesellschaft mitgenommen habe, dann dass kein Mensch auf Dauer die Pflege und Betreuung eines Menschen mit Demenz allein meistern kann. Nicht 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Mein Bruder und ich, wir haben das oft mit Papa besprochen und so oft darüber geredet, dass eine Unterstützung doch gut wäre, für ihn und für dich. Er wollte das alleine schaffen („Ich kann die Mutti doch nicht abgeben“, sagte er) und er schafft so viel.

Die Tagespflege tat dir und Papa gut

Die Tagespflege war das, womit Papa sich am besten anfreunden konnte. Und mein Argument: Es sei doch nur für ein paar Stunden, ein bisschen wie mit dem Kindergarten. Wenn meine Kleinste im Kindergarten ist oder die älteren in der Schule, dann ist das Zeit, in der ich ungestört arbeiten kann – und auch eine Pause machen kann. Mal durchatmen, mal zur Ruhe kommen. Und genauso würde auch Papa davon profitieren, sagte ich ihm. Das sagte auch dein Arzt und er empfahl es so sehr, dass Papa sich schließlich dazu durchringen konntest, es zu probieren.

Und es tat ihm gut, er hatte ein paar Tage, an denen er mal nur im Garten werkeln konnte oder in Ruhe einkaufen ging oder einfach auf der Couch sitzen konnte. Auch dir tat die Tagespflege gut. Anfangs hast du an den Angeboten und bei der Ergotherapie gerne mitgemacht. Du hast deine Lieblingspflegerinnen morgens mit einem Lächeln begrüßt. Du warst früher so eine beliebte Kollegin mit vielen Bekannten. Jetzt in der Tagespflege war das für dich die Möglichkeit, Kontakt zu anderen Menschen zu haben. Und die Pflegerinnen dort haben dir Anregungen gegeben, weiter aktiv zu sein.

Vorbereitungen für die Tagespflege

Die vergangenen Wochen waren ganz schön anstrengend. Als er dann einen Anruf von der Tagesbetreuung erhielt, dass du nun wieder kommen könntest, war er dann doch überrascht. Und ich auch. „Ist das sicher?“, fragte ich erstaunt. ‚Corona ist doch noch nicht vorbei. Ist das sicher? Nicht dass Mama sich ansteckt‘, dachte ich. Papa erzählte von den Regeln, die wie die überall geltenden Basisregeln sind: Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz tragen, Nies- und Hustenetikette wahren und regelmäßig Händewaschen.

Du brauchst ein Attest vom Arzt, um wieder gehen zu können. Also, war Papa mit dir bei deiner Ärztin – und sie hat dir bescheinigt, dass du keine Symptome hast. Sie hat dich noch gegen Pneumokokken geimpft, als Schutz vor der Infektion der Lungen, auch das eine aktuelle Empfehlung in der Corona-Situation.

Musst du dich erst wieder an die Tagespflege gewöhnen?

Die Voraussetzungen sind alle erfüllt – und es ist gut, dass Papa wieder mehr regelmäßige Unterstützung bekommt. Aber ich wüsste so gerne, wie es dir geht. Freust du dich auf die Tagespflege? Hast du deine Lieblingspflegerinnen vermisst? Oder brauchst du eine Weile, um dich wieder daran zu gewöhnen? Wirst du Papa vermissen?

Ich bin gespannt und ein wenig nervös. Fast genauso wie vor dem ersten Post-Corona-Kindergarten-Tag meiner Kleinen. Oder vor dem ersten Post-Corona-Schultag meiner Großen. Ich hoffe, du wirst schnell in deiner Tagespflege ankommen und dich wohlfühlen – und lächeln und zufrieden sein!

Ich hoffe, du machst es meinen Kindern gleich. Sie waren nervös, aber haben es genossen, ihre gewohnte Umgebung und Freunde um sich zu haben. Und ich habe es genossen, einfach mal durchatmen zu können. Eine Win-Win-Situation nennen manche das. Ich wünsche dir und Papa ganz viel davon!

Deine Peggy

Peggy-Mama-spazieren

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