Allgemein, Wie ich helfen kann

Happy Birthday, Alzheimer und wir!

Kaum zu glauben, aber mein Blog-Baby feiert Geburtstag! Vor einem Jahr habe ich den ersten Artikel auf „Alzheimer und wir“ veröffentlicht. Und wie passend zum Geburtstag ging es auch um das Schenken. In diesem Jahr ist wahnsinnig viel passiert. Ich lade euch ein auf eine kleine Rückschau und habe neue Informationen zur Preisverleihung des Grimme Online Awards. Wer noch nicht abgestimmt hat, der sollte sich sputen: Die Teilnahme am Publikumsvoting ist nur noch heute möglich. Die Preise werden am 25.6. vergeben – und ihr könnt beim Stream live dabei sein. Den Link findet ihr unten

Peggy Elfmann Geburtstag Kerze Alzheimer und wir

Im Zuge der Nominierung für den Grimme Online Award wurde ich viel über die Hintergründe zu meinem Blog gefragt. Unter anderem auch: Mit welchem Ziel schreiben Sie Ihr Blog?

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Interview in quergewebt, dem Blog des Grimme Instituts

„Mit welchem Ziel schreiben Sie Ihr Blog?“

Ganz ehrlich: Als ich vor über einem Jahr diese Blogdomain registriert habe, hatte ich kein klares Ziel vor Augen. Ich hatte vor allem ein dringendes Bedürfnis, mich zu öffnen und über das Leben als Tochter einer Alzheimer-betroffenen Mama zu berichten.

Ich hatte so viel in mir, so viele Gefühle und Gedanken im Bezug auf die Alzheimer-Erkrankung meiner Mama. Ich hatte immer versucht, so weiterzumachen wie vor dieser Diagnose, lebte mein Leben mit Beruf und Kindern und versuchte zusätzlich für Mama da sein. Ich las sehr viel über die Krankheit, wollte helfen und stark sein. Aber es machte mich auch unzufrieden, traurig, wütend und einsam. Ich fühlte mich nirgends recht verstanden. Ich setzte mich aber auch nicht wirklich mit dem auseinander, was Mamas Erkrankung mit mir machte und wie es unsere Familie beeinflusste.

Der erste zaghafte Gedanke ‚Ich könnte ja einen Blog darüber schreiben‘ kam auf. Zu einer Zeit, als ich viel in meinem Leben hinterfragte und manches anders machen wollte. Ich wollte nicht mehr warten und zögern, nur weil ich unsicher war. Ich hatte noch nie zuvor einen Blog geschrieben und hatte ein wenig Angst zu scheitern. Und dann saß ich eines vormittags, an einem freien Tag, vor meinem Laptop und dachte: ‚Warum nicht? Wenn es schief geht und keiner lesen will, was ich schreibe oder ich gar nichts zu erzählen habe oder ich mit der Technik nicht umgehen kann, dann ist das so.‘

Zweifeln und Grübeln – und der erste Blogbeitrag

Ich hatte tief in mich gehört und verstanden, dass ich es für immer bereuen würde, wenn ich diesen Blog nicht zumindest anfangen würde. So entschied ich: Ich mache das. Und dann fing ich einfach an. Ich lud mir einen Online-Kurs zum Bloggen mit WordPress herunter, überlegte, welche Inhalte ich in dem Blog haben möchte und dachte über den Namen für mein Blog-Baby nach.

Zwei Wochen später – am 13.6.2019 – veröffentlichte ich den ersten Blog-Artikel. Ein paar Freundinnen hatte ich informiert. Sie waren meine Testleserinnen und ermutigten mich, weiterzuschreiben. „Ich hätte gerne noch mehr gelesen„, sagte eine Freundin. Das zu hören war natürlich schön. Beim Schreiben hatte ich gemerkt, wie leicht es mir fiel. Und wie gut es tat, Gedanken und Gefühle aufzuschreiben.

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Mein erster Blogbeitrag:
Liebe Mama, was kann ich dir schenken?

Einerseits war ich froh, aber irgendwie noch unzufrieden. Mein Konzept war nicht hundertprozentig ausgefeilt, meine Bildsprache war nicht so perfekt, wie ich das von meiner Arbeit als Zeitschriftenjournalistin kenne. Viel Grübeln, viel zweifeln – und dann die Erkenntnis: „Schreiben ist das, was ich am besten kann. Ich werde mich darauf fokussieren. Wenn ich nebenbei einen Blog schreibe, muss ich mir meine Energie gut einteilen und mich auf das konzentrieren, was ich kann. Der Rest wird kommen.“ Und so schrieb ich weiter.

Ein Name für das Blog-Baby: „Alzheimer und wir“

Ich grübelte nur eine kurze Weile über den Namen für mein Blog-Baby. Ziemlich schnell stand fest, dass es „Alzheimer und wir“ heißen soll. Ich wollte zeigen, dass Alzheimer nicht nur die eine Person betrifft, sondern seinen Partner/Partnerin, die Kinder, Enkel, Freunde, Nachbarn, Kollegen… Dass es ein Alzheimer und wir ist und dass dies so wichtig zu verstehen und leben, weil man sich dann gegenseitig unterstützen kann und füreinander da ist.

Ich habe damals darüber nachgedacht, worum es geht, was wichtig ist. Natürlich Alzheimer, aber es ist ja nicht nur Alzheimer. Mir lag viel daran, für die Angehörigen zu sprechen oder aus der Sicht einer Angehörigen. Die Diagnose Alzheimer, die bekommt der Mensch mit Demenz vom Arzt, aber da steckt ja viel mehr dahinter. Ich wollte nicht nur die Probleme beschreiben, sondern auch die Glücksmomente, die Lösungen und die schönen Dinge, die im Alltag mit Alzheimer auch ihren Platz haben und die wir nicht vergessen dürfen.

Authentisch und ehrlich über Alzheimer schreiben

Mittlerweile habe ich längst so etwas wie ein Ziel für mein Blog: Ich möchte Einblicke geben, wie es tatsächlich ist, Alzheimer zu haben und damit zu leben. Ich bin keine Ärztin, Krankenschwester oder Altenpflegerin. Mein Ziel ist es, Momentaufnahmen zu schildern: Was passiert im Laufe der Krankheit, vor welchen Herausforderungen steht meine Mama, vor welchen ich als Angehörige – und wie geht es ihr und mir emotional damit? Was bedeutet es mit Alzheimer zu leben, im Guten wie im Schlechten?

Ich recherchiere nach, wenn ich die Meinung von Experten brauche und führe Interviews. Ich lese Studien und fasse zusammen, normale journalistische Arbeit für mich. Nur dass diese eben doch einen sehr persönlichen Hintergrund hat und mich manche Themen auch Überwindung kosten. Manche Texte gehen mir sehr nahe, beim Schreiben setze ich mich mit mir und meinen Ängsten und auch Fehlern auseinander. Ich bin nicht perfekt und merke jetzt immer wieder, dass ich manches sicher hätte anders machen können.

Die Sicht der Kinder

Ich möchte andere Angehörige ermutigen und auch Tipps geben. Dabei ist mir wichtig: Es gibt nicht die eine richtige Therapie oder ein Medikament, Alzheimer ist ja noch immer nicht heilbar. Es gibt viele verschiedene, kreative Umgangsmöglichkeiten mit der Demenz. Das hängt natürlich auch davon ab, wie der Mensch früher war, wie er seinen Lebensweg gegangen ist und welche Umstände er meistern musste.

Mich interessiert auch die Sichtweise der Kinder. Schon allein, weil ich drei Kinder habe, die aufmerksam sind und sehen, wie es der Oma geht, was sie macht und dass sie mittlerweile viel Unterstützung braucht. Und meine Kinder haben Fragen. Manchmal stellen sie sie laut, oft sind sie leise und kaum zu hören. Anfangs waren sie noch klein und ich dachte, es sei nicht so wichtig, darüber zu sprechen.

Aber ich denke mittlerweile, dass es wichtig ist, auch mit seinen Kindern über Themen wie Demenz und Alzheimer zu reden. Das sind keine schönen Themen, aber sie gehören zum Leben dazu. Und wer die Fragen seiner Kinder nicht beantwortet, der riskiert, dass sie sich eigene Antworten suchen. Außerdem finde ich es faszinierend, dass sie oft viel unbeschwerter mit der Oma und der Krankheit umgehen und viel häufiger die Glücksmomente sehen als ich das tue.

Meine erste Auszeichnung

Im März habe ich für meinen Blog den Goldenen Blogger im Bereich Themen- und Nischenblog gewonnen. Was für eine tolle Ehre und was für ein großartiger Abend. Das letzte große Event, vor der Corona-Krise und dem Lockdown.

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Goldene Blogger-Verleihung am 9. März

Grimme Online Award – So könnt ihr dabei sein

Am 22. April habe ich erfahren, dass ich für den Grimme Online Award nominiert bin. Aus 1000 Vorschlägen hat eine Kommission 28 Beiträge herausgesucht, die um die Auszeichnung ins Rennen gehen. Ich habe mich so gefreut, dass „Alzheimer und wir“ nominiert wurde und zwar in der Kategorie Wissen und Bildung.

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Bis zum 14.6. könnt ihr noch am Publikumsvoting teilnehmen. Am 25.6. werden die Auszeichnungen vergeben. Aufgrund der Corona-Situation wird es keine Gala geben. Leider. Ich würde mir nichts lieber als eine tolle Abendveranstaltung wünschen mit vielen spannenden Menschen und interessanten Gesprächen. Aber zu Corona-Zeiten leider auch undenkbar.

Deshalb wird es eine digitale Preisverleihung geben. Die Veranstalter versprechen ein spannendes Event per Live-Stream. Tatsächlich werden die Gewinner erst an dem Abend verkündet. Haltet euch also schon mal den 25.6. ab 19 Uhr fest, auf der Website oder dem Youtube-Kanal des Grimme Instituts könnt ihr live dabei sein.

Und für alle, die es genauso wenig aushalten wie ich: In den Tagen vor der Verleihung gibt es digitale Pre-Partys, die ihr per Live-Stream auf der Website oder dem Youtube-Kanal verfolgen könnt. Am 23.6. um 19 Uhr bin ich mit „Alzheimer und wir“ dabei und erzähle mehr über meinen Blog. Ich freue mich, wenn ihr dabei seid.

Danke für so ein verrücktes, spannendes erstes Jahr! Danke für eure Kommentare, euer Feedback und euer Interesse. Ich freue mich wahnsinnig auf das zweite Jahr und bin gespannt, was es mir so bringt.

Und vor allem: Danke, Mama! Ohne dich wäre das alles nicht!

Eure Peggy

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