Was die Kinder fragen

Romys Salon – Ein Film-Nachmittag mit den Kindern

Kurz vor Kinostart habe ich den Film „Romys Salon“ vorgestellt und darüber geschwärmt. Heute habe ich ihn endlich mit den Kindern angeschaut. Und wie kam dieser Film über Romy und ihre an Alzheimer erkrankte Oma an? So viel sei verraten: Wir haben geweint und gelacht.

Romy, Oma und Mama

Meine große Tochter ist sehr sensibel – und ich bin deshalb oft vorsichtig. Vielleicht übervorsichtig. Aber ich war mir unsicher, ob ich „Romys Salon“ mit ihr schauen möchte. Obwohl er ja als Familienfilm gilt. Obwohl ich ihn davor gesehen habe. Obwohl meine Tochter gerne Filme ansieht. Obwohl ich gerne mit ihr Filme anschaue. Obwohl ich so darüber geschwärmt habe (Hier geht’s zu meiner Filmbesprechung)

Aber ich habe eben auch immer Angst davor, dass sie weint und die Alzheimer-Krankheit meiner Mama sie traurig macht.

Ich wollte meiner Tochter die Entscheidung überlassen. Und endlich hat sie gefragt, ob wir diesen wunderbaren Film zusammen gucken können. Wir hatten ein wenig Zeit, das Wetter war mies, also haben wir einen Heim-Kino-Nachmittag veranstaltet.

Alzheimer aus Kindersicht

Romy ist ein Jahr jünger als meine Tochter, und sie sind sich ziemlich ähnlich. Zwei tolle, schlaue Mädchen, die gerne Fußball spielen und sich ihre Welt genau anschauen. „Ich weiß doch schon, worum es geht“, meinte meine Tochter erst ganz cool. Aber schon nach ein paar Minuten rückte sie an mich heran und legte ihren Kopf auf meine Schulter. Die kleine Tochter saß links und kuschelte sich auch an mich.

Wir haben gelacht, wir haben geweint. Meine Große hat viel geweint (für mich als Mutter ist jede Träne eine zu viel…) und ich habe dann jedes Mal gefragt: „Wollen wir lieber aufhören?“ Sie hat den Kopf geschüttelt, mit Tränen in den Augen. All die schönen und lustigen Szenen haben es aufgewogen.

Der Regisseurin Mischa Kamp ist es auch einfach wunderbar gelungen, einen authentischen Film über Alzheimer zu machen. Und dazu gehören nicht nur traurige Momente, sondern auch witzige und komische. Romys Oma macht mit der Zeit immer mehr merkwürdige Sachen. Als Romy und sie shoppen gehen, betrachtet die Oma eine tolle Handtasche in der Auslage und stopft spontan ihr angeschnäuztes Taschentuch hinein. Romy macht große Augen und meine Tochter lacht. Und ich denke an meine Mama, die auch manchmal komische Dinge macht, die sonst Erwachsene nicht machen, und die Kinder damit zum Staunen – und Lachen bringt.

Die Traurigkeit ausleben und verarbeiten

Der Film hat ein gutes Ende, irgendwie. Aber natürlich schreitet die Krankheit bei Romys Oma voran, so wie jede Demenzerkrankung nun einmal voranschreitet. „War es sehr traurig?“, habe ich meine Tochter danach gefragt. „Ja, schon“, war ihre ehrliche Antwort. Was soll sie auch sonst sagen? Alzheimer ist traurig und schrecklich blöd. Gemein und doof und ungerecht und überhaupt. Ich möchte schon fast in negativen Schimpftiraden schwelgen.

Da lacht meine Große und sagt: „Das mit dem Haareschneiden war witzig.“

Haareschneiden, ja, das kann Romys Oma immer noch…

Auch als die Krankheit schon weiter fortgeschritten ist, kann die Oma eines noch immer gut: Haare schneiden. Und so kommt ein LKW-Fahrer ganz unverhofft zu einem Haarschnitt auf einem Rastplatz. Eine Kleinigkeit. Aber was für eine wichtige, denn es zeigt: Mit Alzheimer ist man immer noch der gleiche Mensch wie früher. Romys Oma mag nicht mehr so gut rechnen können und alleine leben kann sie auch nicht mehr, aber sie ist immer noch eine super Friseurin. Und auch, wenn sie das nicht mehr kann, dann ist sie immer noch Romys Oma.

Bin ich froh, dass meine Tochter diesen tollen Film gesehen hat!

Es gibt auch Schulmaterial und ein Interview mit der Autorin zum Film. Beides spannend. Hier geht’s zu dem pdf.

Infos zum Buch: Romys Salon, Tamara Bos, Gerstenberg Verlag, 2018.
Hier geht’s zu einer Leseprobe.

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