Mutter-Tochter-Gespräche

Was kann ich dir schenken?

Liebe Mama,

was wünschst du dir?

Egal ob Geburtstag oder Weihnachten, die Frage „Was kann ich dir schenken?“ treibt mich dann besonders um. Früher habe ich dich gefragt oder ich habe etwas gewählt, was mir gefallen hat. Und weil wir beide einen ähnlichen Geschmack haben, hat es dir auch meist gefallen. Aber das geht nun nicht mehr. Anfangs habe ich versucht, das weiter zu machen.

Zum ersten Muttertag nach der Diagnose habe ich ein hübsches Notizheft gekauft und es als Tagebuch geschenkt. Weil ich weiß, dass mir schreiben hilft und ich dachte, es könnte auch dir helfen… Du hast tatsächlich mit dem Schreiben angefangen – und das hat mir gezeigt, dass ich richtig lag. Zu Weihnachten habe ich dir Acrylfarben und Leinwände gekauft, weil du doch früher immer so kreativ warst und gerne gemalt und gebastelt hast. Du hast sehr schöne Bilder gemalt – und sie mir als Dank geschenkt.

Ich will ein liebevolles Mutter-Tochter-Geschenk

Früher habe ich dir gerne Bücher geschenkt, weil du auch gerne gelesen hast. Wir haben oft Bücher getauscht und uns gegenseitig inspiriert. Doch das ging schon ziemlich bald nicht mehr. Am Anfang hast du gesagt, dass es so anstrengend ist. Du hast nur ein paar Seiten geschafft und bald nicht mal mehr eine halbe.

Ich wollte dir etwas für deine Situation schenken und habe viel recherchiert, was es an Geschenken für Alzheimer-Patienten gibt. Nun ja, Fühlkissen… Das klang wahnsinnig therapeutisch und nicht nach einem persönlichen und liebevollen Mutter-Tochter-Geschenk. Ich fand ein Puzzle speziell für Demenzpatienten. Ein großes Foto von einer Blume in vier Puzzleteile geteilt. Sie passen in jedes Teil. 100-prozentige Gelinggarantie, sozusagen. Mir war es ein bisschen peinlich, dir, meiner schönen, schlauen Mama, so etwas zu schenken und meine Mädchen fanden es – nun ja – kurios. Nun, du hast es nie benutzt. Nicht mal meine Mädchen konnten damit etwas anfangen…

Nun stehe ich wieder vor der Frage: Was schenke ich dir?

Was wünschst du dir?

Wünschst du dir ein Fühlkissen? Ein Puzzle? Dann wahrscheinlich eher noch Blumen. Ich hab dir oft Blumen geschenkt, weil du Blumen gern hast. Du warst eigentlich dauernd in unserem wunderbaren Garten und hast ihn gehegt und gepflegt. Du hast den grünen Daumen, den ich gern hätte. Aber ich glaube, was du dir noch viel mehr wünschst und was ich dir von ganzem Herzen schenken möchte:

Dass ich dich besuche. Dass ich dich umarme. Dass ich dich anlächle. Dass ich bei dir bin.

Das wird mein Geschenk für dich, liebe Mama!

Deine Peggy

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